Wen würden Sie um eine Blutabnahme bitten, um darin zu findende Beweise sichern zu lassen?

Spitze der Nadel © Liz Collet

Spitze der Nadel © Liz Collet

Die Frage beschäftigt mich seit einigen Tagen und zwar seit der Lektüre einiger scheinbar harmloser, scheinbar nebensächlicher Zeilen im Bericht über die Zeugeneinvernahme einer Ärztin im Bamberger „Chefarzt-Prozess“.

In dem Bericht heisst es:

„Eine Ärztin des Klinikums in Forchheim wurde als Zeugin gehört. Sie hatte es abgelehnt, einem der mutmaßlichen Opfer, einer Medizinstudentin, Blut zu entnehmen. Diese hatte an einer angeblichen Studie des angeklagten Chefarztes teilgenommen und klagte anschließend über Schwindel und Erinnerungslücken.

Und:

„Die Ärztin des Klinikums Forchheim ging jedoch nicht davon aus, dass eine Straftat vorliegen könnte und lehnte eine geforderte Blutentnahme ab.“

Leider geht aus dem Bericht nicht hervor, weshalb das mutmaßliche Opfer sich an eben jene Ärztin gewandt hatte. War sie von sich aus zu dieser gegangen oder von der Polizei dorthin geschickt worden? Welche Abteilung im Klinikum war das? Ist es Sache einer Ärztin, die beim Verdacht einer Patientin Opfer einer Straftat zu sein um eine Blutentnahme gebeten wird (egal ob von der Polizei initiiert oder nur vom mutmaßlichen Opfer darum gebeten) eine solche nur vorzunehmen, wenn sie selbst eine Straftat für möglich hält?

Damit aber nicht genug, denn weiter heisst es:

„Stattdessen telefonierte sie mit dem angeklagtem Gefäßchirurgen,…..“

Mit oder ohne Einverständnis des mutmaßlichen Opfers? Hinter deren Rücken?

„…..der ihr versicherte, lediglich ein Kontrastmittel gespritzt zu haben, bei dem in seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten könnten.“

Ist es Sache einer Ärztin, die um Blutentnahme bei Verdacht einer Straftat gebeten wird, sich mit dem möglichen Verdächtigen einer solchen Straftat überhaupt in Verbindung zu setzen? Ihn damit ggf. in Kenntnis zu setzen über Schritte des Opfers, Beweise für diese zu sichern? Und wo sind hier geltende Grenzen einer Schweigepflicht gegenüber dem mutmasslichen Opfer als ihre Patientin? Und solche ggf. verletzt worden?

Berichtet wird weiter:

„Die Medizinstudentin ließ sich daraufhin von ihrem Vater, der ebenfalls Arzt ist, Blut auf einem Parkplatz abnehmen. In der Blutprobe fand die Gerichtsmedizin Erlangen später das K.o-ähnliche Beruhigungstropfenmittel Midazolam. Zwei Sachverständige wurden zur Beweiskraft einer Blutprobe des mutmaßlichen Opfers als Zeugen befragt.“

Die Verteidigung kritisiert bekanntlich (wie früher berichtet), wie die Blutentnahmen dann erfolgt seien und deren Verwertbarkeit im Verfahren. Wie ist dies zu werten vor dem Hintergrund der oben berichteten Vorgänge und des Verhaltens der Ärztin, die dem mutmasslichen Opfer die Möglichkeit der Beweissicherung verwehrte? Zudem den mutmasslichen Täter informierte und dieser dann die anderweitig gesicherte und entnommene Blutprobe des mutmaßlichen Opfers als Beweismittel in Frage stellt.

Fragen, die zu der des Posttitels zurück führen:
Wie und wo würden Sie als mögliches Opfer der hier im Strafverfahren angeklagten Taten und wenn Sie solche für möglich halten eine Blutentnahme vornehmen lassen? Was würden Sie als Anwalt einer Mandantin raten, wie und wo sie solche vornehmen lassen soll und worauf sie dabei achten muss? Bekommen mutmassliche Opfer von ihnen verabreichter Substanzen nicht von der Polizei entsprechende Hinweise, dass, was und wo sie sich dazu untersuchen lassen können oder müssen? Und warum hat das mutmassliche Opfer sich nicht an die Polizei gewandt? Oder an die dort benannten Adressen? Oder war die befragte Ärztin im Klinikum Forchheim die dafür benannte und aufgesuchte Adresse und Ärztin? Dann…….wären wir erneut bei der Frage ihres Verhaltens und was wir davon  zu halten haben………..

Manchmal ist in Berichten der Medien das Interessanteste nicht zu lesen……

Zum Prozess:

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Über Liz Collet

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