Protest gegen Presseberichte mit psychischen Wahn-Vorstellungen {der Medien selbst}!

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Press Review © Liz Collet

Erst heute morgen hatte ich in diesem ausführlichen Beitrag thematisiert, dass und warum zu befürchten steht, dass die Medien sich wenig darum scheren werden, ob das glücklicherweise noch lebende, vermeintliche Opfer eines Verbrechens keinen Wunsch nach Öffentlichkeit oder Kontakt mit ihren Angehörigen habe und dies auch unmissverständlich erklärt haben soll, wie die Polizei klargestellt hatte. Und warum das nicht akzeptabel und unzulässig wäre.

Bereits wenige Stunden später ist in einem Pressebericht, der auch über die social media Kanäle der Tageszeitung verbreitet wird, ein Artikel zu lesen, den die Privatsphäre der Frau nicht kümmert. In dem Beitrag werden Hinweise auf den mutmasslichen Wohnort und Adresse gegeben und Spekulationen über den mentalen Zustand der Frau damals und heute angestellt.

Ich finde es unglaublich und absolut indiskutabel, dass die AA sich nicht scheut, die der Frau selbstverständlich zustehende Privatsphäre mit dieser Art der Berichterstattung abzusprechen und das Ganze auch noch mit einer mehr als fragwürdigen und wenig seriösen Spekulation eines Diplompsychologen über angebliche psychische Störungen auszustatten.

Dieser hat weder die Frau je persönlich gesehen, noch kennt er auch nur ansatzweise Fakten für eine fachlich qualifizierte Bewertung der Motive. Jeder, der sich also dem bisherigen Leben entzieht und sich die Freiheit nimmt, für sich allein zu leben, ohne dass er irgendetwas Vorwerfbares tut, muss also psychisch krank sein?

Es ist eine unverschämter und ehrenrühriger Umgang mit der Frau, sie nun so darzustellen. Offenbar geht es hier um nichts anderes, als darum den Fall skandalträchtig auszuschlachten und Schlagzeilen zu machen, wenn nicht sogar mit so willkürlichen und unseriösen Unterstellungen diese zu einem Schritt in die Öffentlichkeit und die Medien zwingen zu wollen, um diese zu unterbinden. Eine allzu durchsichtige und allzu billige Masche: Gerüchte und Spekulationen streuen, wie die schlimmsten Quadratratschen im Stiegenhaus und Hinterhof über harmlose Bürger, damit diese sich irgendwann öffentlich wehren und dazu äussern müssen?

Das ist unterste Schublade der Presse.

Anders aber kann man diese spekulative Presseberichterstattung nicht deuten. Und rechtfertigen noch weniger.

Ein Blick in den Pressekodex gibt jedem Presseorgan hinreichend Anhaltspunkte auch dazu, wie in dem hier betroffenen Fall NICHT gehandelt werden dürfte. Es lohnt sich auch für jeden Laien, diesen einmal Punkt für Punkt zu lesen. Und Medien, die sich um derlei nicht kümmern, in den Kommentaren zu deren Presseberichten und Posts in sozialen Medien die Meinung dazu zu sagen, was man als Leser davon hält. Was man davon hält, dass auch derjenige, der nichts anderes wünscht, als seine Privatsphäre, allein und in Ruhe zu leben, selbst weder in Medien noch Internet und social media oder sonst öffentliche Spuren zieht und hinterlässt, dies nicht ungestört tun kann, nur weil Medien Schlagzeilen zu machen suchen.

Selbst über einen Menschen, der nicht wie B bis Z Promis seinen Busen oder Hintern (bedeckt oder entblösst) in jede Kamera und jedes Mikro hält, das nicht schnell genug das Weite sucht oder alle paar Minuten selbst Selfies in die Welt jagt, ob diese sie sehen oder nicht sehen will, sondern warum auch immer schlicht allein und für sich lebt und keinem darüber Rechenschaft schuldet. Noch weniger aber mit halt- und grundlosen Spekulationen beworfen werden darf, ob und welche angebliche psychische Krankheit er haben müsse, die allein Rechtfertigung und Erklärung bieten könne.

Wer aus der Ferne aus gutem Grund wie jeder Mediziner sonst auch und noch weniger in mentalen oder psychischen Fragen keine Diagnose stellen kann, sollte diese auch schlicht unterlassen, die nichts anderes als Schlüssellochpsychologie ist in das Leben eines anderen, das weder Medien noch sich zu medialer eigener Präsenz berufen fühlender, weil von einer Zeitung dazu befragter Psychologen etwas angeht.

Dass sich die AA selbst dazu hergibt und einem sog. Diplompsychologen, der diese Grenzen selbst missachtet auch noch Forum bietet, um der eigenen journalistischen Berichterstattung nichts anderes als eine Art Alibi mit einer derart unseriösen psychologischen Bewertung ohne Kenntnis der betroffenen Frau oder auch nur näherer Fakten und Lebensumstände zu verleihen, ist nicht tolerierbar.

Als im Fall Gustl Mollaths Gutachten gegen diesen verwendet worden waren im Zuge strafrechtlicher und unterbringungsrelevanter Prozesse und Entscheidungen deren Sachverständige ihn nie persönlich gesehen hatten, schrien die Medien auf und skandalisierten dies als Justizskandal.

Es ist Zeit für einen Aufschrei der Leser gegen diejenigen Medien, die einer unbescholtenen Bürgerin, die nichts anderes getan hat, als so zu leben, wie sie es will und dies offenbar so zurückgezogen, wie es ihrem Wunsch entspricht, das Recht auf Privatsphäre und ihr uneingeschränktes Persönlichkeitsrecht absprechen und dieses durch Spekulationen über ihre Psyche bereits jetzt verletzen.

ICH lege keinen Wert auf Presseberichte, die vom Ausschlachten und Skandalisieren der zu schützenden Privatsphäre von Menschen leben wollen, die sich niemals in die Öffentlichkeit drängten.Und das sogar mit dem Füttern von Spekulationen um psychische Krankheiten versuchen.  Über Menschen, die – umso mehr und erst recht dann, wenn sie (wofür im konkreten Fall nichts und nicht das Geringste an Fakten spricht, körperlich oder mental) krank und umso schutzbedürftiger wären. Auch und ausdrücklich nach dem für Presse geltendem Kodex.

Hören Sie als Presse und Medien auf, die Jagd nach Sensationen und Skandal zu eröffnen, wo vielleicht nicht die Neugier, wohl aber das öffentliche Interesse und damit auch die Pressefreiheit ihre Grenzen haben. Den Unterschied zwischen öffentlicher und medialer Neugier einerseits und öffentlichem Interesse andererseits sollten seriöse Medien kennen.

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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