Man kann aus allem ein Problem machen {Was darf beim Vorstellungsgespräch gefragt werden}

 

Man kann aus allem ein Problem machen.
Man kann aus allem ein rechtliches Problem machen.
Man kann aus allem dann sicher sogar noch ein Problem möglicher Diskriminierung machen. Stichwort: Wegen einer Narbe wurde ich diskriminiert, obwohl ich weder entstellt bin, noch als Model arbeiten will und und und.

Zugegeben, es mag Narben geben, die vor Fragen stellen.

Die können blosses Interesse sein, einen Mitarbeiter kennenzulernen und einen ganz harmlosen Gesprächsfaden herzustellen, ob der Bewerber vielleicht Sportler ist (Sportunfall), sozial engagiert in der Freizeit (freiwillige Feuerwehr, Bergwacht, DLRG usw) oder was immer sonst vielleicht Grund für eine Narbe sein mag.
Bei einem, der mit einer frischen Narbe ankommt und vielleicht auch noch Spuren eines Faustkampfes an den Händen, könnte man sich überlegen, ob das ein Raufbold oder ein Mann mit besonders schlagkräftiger Vorliebe bei der Kommunikation oder Werbung für Gewerkschaftsmitgliedschaften sein könnte….. kleiner Scherz. Scherzi aparte.

Aber muss man aus jeder vielleicht nur neugierigen oder anteilnehmenden Frage oder Interesse gleich finstere Hintergedanken machen, die ein möglicher künftiger Chef stellt, um einen Bewerber auszusortieren?
Muss jedes Interesse, wenn es vielleicht auch ungewöhnlich ist, zur rechtsdogmatischen Frage „Was DARF der Arbeitgeber?“ hochstilisiert werden? Wir sind Menschen, man redet miteinander. Man kann sich zickig stellen und auf eine solche Frage empfindlich reagieren. Oder sie erst mal schlagfertig mit Humor nett parieren.

Meine eigene spontane und erste Reaktion wäre auf eine solche Frage – mit nettem und freundlichem Ton und verschmitztem Lächeln, bien entendu:

„Keine Sorge, ich bin nicht auf den Kopf gefallen.“

Und mal guggen, wie dann der vielleicht davon mehr mit Sympathie beim ersten Eindruck zu gewinnende Arbeitgeber damit umgeht, dass der Ball ohne darauf inhaltlich einzugehen, charmant in sein Feld zurückgeschlagen wurde.
Wenn er Hintergedanken hat, seien es Sorge um Folgen früherer Unfälle oder OPs, die einer Beschäftigung für die zu besetzende Stelle entgegenstehen könnten, müsste er dann schon weiter nachfragen und deutlicher werden und das Rätselraten zum Hintergrund der Frage wäre gelöst und etwaige Bedenken für die Eignung für die Tätigkeit auch auszuräumen oder eben nicht. Denn soviel ist auch klar: Wer – beispielsweise – als Pegeltrinker mit alkoholsituativ erlittenen und vernarbten oder noch nicht so vernarbten Folgen seiner Sucht als Lkw-Fahrer unterwegs ist , bei dem wäre es wohl kaum zu verantworten, ihn einzustellen.

Manche Fragen sind vielleicht auch einfach nur, um einen Eindruck zu bekommen und einen Menschen kennenzulernen, mit dem man arbeiten möchte. Und manchmal zeigen mehr die Antworten als die Fragen, wer zu wem in Wirklichkeit nicht passt oder ob man miteinander kann. Arbeiten. Und reden. Ohne aus allem ein grundsätzliches Problem zu machen.

Ni X für U ngut.

PS: danke @Treffpunkt Betriebsrat für eine inspirierende Frage, auch wenn ich diese nicht im arbeitsrechtlichen Sinne, aber nicht weniger ernsthaft mit Humor behandelt haben mag.

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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