„Sie brauchen keine Angst haben, wenn der Postbote kommt, es wird keine schriftliche Kündigung sein.“

Um-Bau © Liz Collet

Um-Bau © Liz Collet

„Aber wenn Bagger vor dem Haus anrücken und das Gerät mit der Abrissbirne, wäre es gut, nicht erst mit dem Kofferpacken anzufangen, liebe Mieter.“

Vielleicht spricht der Baggerfahrer dann die Kündigung noch mündlich und expressis verbis aus, bevor er die Hauswand zu Ihrer guten Stube anbaggert. Und durch das dekorativ gestaltete erste Loch zu Ihnen herüberwinkt?

Wir werden ja als Juristen immer leicht und leise hellhörig, wenn jemand davon spricht, es werde keine schriftlichen – sic! – Kündigungen geben. Wissen wir doch, dass damit andere noch nicht ausgeschlossen sind. Allenfalls und unter Umständen mangels Schriftform unwirksam….. Aber diskutieren Sie das mal, wenn Ihnen beim Öffnen der Jalousien eine  Abrissbirne entgegenschwingt. Oder die Baggerschaufel auf Augenhöhe den Blick auf Milbertshofener alten Baumbestand verstellt. Der vielleicht schon gefällt….. nein, nein, nein, das gefällt uns nicht….

Vielleicht müssen Sie aber auch einfach das Hereinkrachen der Abrissbirne als konkludent erklärte Kündigung durch Stellvertreterhandeln verstehen, das Ihren Empfängerhorizont als Adressat von Erklärungen Ihres Vermieters ein wenig überschreitet, aber eben dann bis in Ihre Wohnung gelangt und damit als zugestellt anzusehen ist? Wir könnten noch den Baggerführer als bevollmächtigten Stellvertreter anbieten, seine Abgrenzung zum Boten der Kündigungserklärung als neckische Klausurfrage und zum Erfüllungsgehilfen.

Und die Frage aufwerfen, was eigentlich bei steinzeitalten Mietverträgen für Kündigungen für Fristen oder Formen der Erklärung gelten, wenn dazu nichts in selbigen fixiert sein sollte. Ich kenne durchaus Anwälte, die darauf nicht ad hoc antworten möchten. (Anwesende, sprich: Hereinblinzelnde und Mitlesende ausgeschlossen, naturellement)

Hand auf’s Herz – schon mal einen 50 Jahre alten Mietvertrag in Händen gehalten, in welchem keine Schriftform für Kündigungen enthalten war?

Ich ja. Mehrmals in Zeiten anwaltlicher Tätigkeit. Sogar noch handschriftlich auf 1 oder nur 2 Seiten verfasste Mietverträge.

Das bringt es so mit sich, wenn Sie mitten im alten Schwabing mit Ihrer Kanzlei arbeiten, wo noch viele Mieter oder auch Hauseigentümer von Anwesen der Jugendstilbauzeit und Gründerzeit mit jahrzehntelang friedlich mit ihnen lebenden Mietern wohnen, die Ihren Rat suchen. Und wo Mieterwechsel – normalerweise – nur dann anstanden, wenn mal ein Mieter verstarb oder ins Altersheim umsiedelte. Und neue Mieter und Verträge erforderlich  wurden. 

Den Inhalt des Kanzleimietvertrages, den ich in meiner ersten Kanzlei zu sehen bekam und der noch von meinem rund 30 Jahre älterem Sozius mit der bei meinem Eintritt in die Kanzlei hochbetagten Hauseigentümerin abgeschlossen hatte und den Wohnraummietvertrag, den er für seine zwei Etagen darüber liegende Wohnung ebenso mit ihr über Jahre fortführte, war – nennen wir es – sehenswert.

Und davon abgesehen bekam ich Jahrzehntealte Verträge sogar noch im familiären Umfeld zu sehen, wie das so ist, wenn Ihre Grosseltern jahrzehntelang dieselbe Wohnung bewohnten.

Peu à peu überlebten seither sicher manche solcher Konstellationen sich. Aber ausgeschlossen ist es nicht, dass Ihnen in Ausnahmefällen noch steinalte Mietverträge vorgelegt werden könnten.

Auch in Milbertshofen würde ich nicht ausschliessen, dass wie in manchen anderen alten Stadtvierteln meiner Isarmetropole noch „ungewöhnlich“ alte Mietverträge kursieren könnten. Für die es natürlich dann auch rechtliche Regeln gibt für die Fälle, in denen zwischenzeitliche Gesetzesänderungen von dem abweichen, wie die Verträge Jahrzehnte vorher abgefasst wurden.

Also…………was halten wir von einer Zusage, es würden keine schriftlichen Kündigungen erfolgen?

Wir können das gemeine Spiel noch in juristische Worte und Fachbegriffe gewandet weiter treiben, das ganz und gar nicht nur spassig die vier Wände einiger Milbertshofener Mieter in München betrifft und bedroht. Von Wohnraumverdichtung ist da die Rede. Und die Moosbichlerin raunt mir grimmig über meiner  Schulter mitlesend zu, sie habe eher den Eindruck,  dass da wohl eher ein paar nicht ganz dicht sein könnten. Und dass der Verdacht sich mehr als Wohnraum verdichte, dass das eine ganz üble Geschichte und selbige noch nicht zu Ende sei.

Und dass es da wohl nicht nur an besserer Kommunikation hapere.

Wer wollte ihr da widersprechen. Die ganze Geschichte HIER.

Wie man Einzelgespräche führt, um Menschen zu bewegen. Aus Räumen. Wie auch aus Arbeitsverhältnissen, anstatt selbst und auch schriftliche Kündigungen auszusprechen, wissen Juristen gut. Viele ihrer Mandanten auch. Wenn Sie und ich uns nun vorstellen, wie Einzelgespräche mit Menschen ablaufen können, die – bei einer Mietdauer von 50 Jahren – mindestens um die 70 Jahre alt sein werden und wie Ihre oder meine Eltern oder Grosseltern in solchem Alter sich Gesprächen oder Verhandlungen oder Einzelgesprächen gewachsen fühlen würden (oder auch nicht?),………. muss ich das wirklich noch weiter ausmalen?

Und…….nein: DAS ist nicht Milbertshofen. DAS war das kleine Hexenhäuschen vis-à-vis meiner ersten Wohnung hier im Blauen Land. Das huschhusch samt den schönen Obstbäumen und Himbeerbüschen und alten Bäumen weggebaggert wurde. Und zwei Häuserblocks wich. Mit Eigentumswohnungen. Und einigen wenigen Mietwohnungen zu *hüstel* eindrucksvollen Mietpreisen, besonders angesichts der „ruhigen Lage“ am Gleisbett mit stündlichem Bahnverkehr in beide Richtungen. Aber das ist eine andere Geschichte über das flotte Verdichten von Wohnraum. 

Ni X für U ngut.

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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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