20.000 Euro Schmerzensgeld für Speiseröhrenverletzung – da muss der Facharzt sicher zweimal schlucken

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Bargeld © Liz Collet

 „Die im Verlauf einer Operation auch bei fachgerechtem ärztlichen Vorgehen mögliche Verletzung der Speiseröhre ist ein Behandlungsfehler, wenn sie durch eine ärztliche Überprüfung der Lage der Speiseröhre während der Operation zu vermeiden war“

Diesen Satz werden Sie sicher ebenso wie ich zweimal lesen müssen. An dem hatte der beklagte Facharzt sicher ebenfalls mindestens zweimal so zu schlucken, wie an den Konsequenzen des Urteils, die ihn zur Zahlung von 20.000 Euro Schmerzensgeld verpflichten.

Zweimal lesen muss man diesen Satz aber auch aus einem anderen Grund, lesen wir ihn doch bitte nochmal gemeinsam? Er ist nämlich nicht so ganz widerspruchsfrei und nicht so ganz logisch. Denn man muss (sich) fragen: Gehört denn zu einem fachgerechtem ärztlichen Vorgehen nicht ohnehin eine ärztliche Überprüfung der Lage der Speiseröhre während der Operation? Anders gefragt: Ist eine ohne solche Überprüfung vorgenommene OP nicht schon deswegen fehlerhaft und nicht mehr fachgerecht? Man könnte es besser formulieren, als die Pressemitteilung des Gerichts.

Im Ergebnis kann man schlicht sagen:

Wie fachgerecht ärztlich sonst auch der Eingriff ausgeführt worden sein mag: Wurde die Lage der Speiseröhre während der OP nicht überprüft und verletzt, begründet eben die fehlende Kontrolle der Lage der Speiseröhre den Behandlungsfehler und damit Ansprüche des Patienten.

Im entschiedenen Fall hatte das erhebliche Folgen für den Patienten, er musst aufgrund einer behandlungsfehlerhaften Verletzung seiner Speiseröhre mehrere Monate mittels einer Magensonde ernährt werden und wird   dauerhaft durch Schluckbeschwerden beeinträchtigt sein. Deswegen wurde der Arzt zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro am 23.10.2015 auch in der Berufungsinstanz nach Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens verurteilt, das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Bochum bestätigt. Eingeklagt hatte er 40.000 Euro.

Der heute 60 Jahre alte, klagende Werkzeugmacher aus Recklinghausen ließ sich im Juni 2010 vom beklagten Facharzt für Neuro- und Wirbelsäulenchirurgie aus Datteln im Bereich der Halswirbelsäule an der Bandscheibe operieren. Bei dem Eingriff mit Cage-Fusion und Prothesenimplantation kam es zur Verletzung der Speiseröhre, die mit einem weiteren Eingriff als Notfall operativ versorgt werden musste. In der Folgezeit musste der Kläger etwa 5 Monate mittels einer Magensonde ernährt werden. Es bleiben Schluckbeschwerden, durch die der Kläger voraussichtlich dauerhaft beeinträchtigt sein wird.

 Oberlandesgericht Hamm vom 23.10.2015 – 26 U 182/13

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