Money, Money, Money und Mißstände an Kliniken {Undercover Report}

Nierenschale © Liz Collet

Nierenschale © Liz Collet

Man kann es so recht nicht deuten, was man von manchen Berichten halten soll, die – wie aktuell dieser hier – heimlich in Kliniken filmen und dabei nach eigenen Angaben Mißstände aufdecken wollen und gruselig bis eklig anmutende Bilder liefern von Dreck, der auf Krankenliegen und Böden zu sehen sei.

Bilder, bei denen man nicht immer so genau erkennen kann, ob diese wirklich auf einem Klinikflur bei Behandlungsräumen aufgenommen sein mögen oder in einem Kellerflur oder wo auch immer. Nicht dass dem Bericht Unwahrheiten zu unterstellen seien – wie käme man dazu? Aber wie repräsentativ solche Aufnahmen, wie aussagekräftig und wo diese herstammen mögen, diese Frage darf man durchaus wie andere sich und den Machern dieses sog. Undercover Reports des Teams Wallraff stellen.

Gerade weil – auch hier im Blog – das Thema Hygiene in Kliniken sehr ernst genommen und auch deswegen immer wieder mit Aufmerksamkeit verfolgt wird.

So rubbelte man sich beispielsweise ein bisschen die Augen bei der Meldung, die Universitätsmedizin Mannheim sei – nach hier zitierter Mitteilung des Klinikums –  in die Initiative Qualitätsmedizin (IQM) aufgenommen worden. Nach den Skandalmeldungen über die unappetitlichen hygienischen Zustände am Klinikum in Mannheim klingt das um vieles hübscher und beruhigender. Wenn man sich nicht fragen würde, wie das so schnell nun geht, dass mit einer Aufnahme in eine solche Initiative alles wieder tippitoppi-Meister-Propper-tauglich anmute. Und man sich auch mal fragen sollte, was genau eigentlich die Initiative Qualitätsmedizin ist. Wissen SIE es?

„In der IQM engagieren sich über 350 Krankenhäuser aus Deutschland und der Schweiz für mehr Qualität bei der Behandlung von Patienten.“Wir werden unsere IQM-Ergebnisse zukünftig veröffentlichen“, kündigte UMM-Geschäftsführer Jörg Blattmann an und betonte, dass damit das UMM „freiwillig weit über die bestehenden gesetzlichen Anforderungen zu Qualitätssicherung und Transparenz“ hinaus gehe.

Die Initiative Qualitätsmedizin wurde 2008 gegründet. Ihre mehr als 350 Mitglieder aus Deutschland und der Schweiz versorgen jährlich rund 5 Millionen Patienten stationär. In Deutschland liegt ihr Anteil an der stationären Versorgung bei 28 Prozent, in der Schweiz bei 18 Prozent.“

heisst es. HIER. Mit anderen Worten auch wieder aus dem Munde des Geschäftsführers eben der Klinik selbst. Wissen Sie jetzt so genau, was das IQM ist? Und:  Sich „engagieren“ in der IQM – was heisst das denn? Versuchen Sie sich selbst einen Eindruck davon zu verschaffen – HIER lesen Sie mehr.

Vieles über hübsche Ziele, wohlklingende Worte wie Transparenz. Aber was erforderlich ist, um in die IQM als Klinik aufgenommen zu werden, nicht so viel auf anhieb transparente Informationen.  Für den Mitgliedsantrag ist nicht viel nötig, wie Sie dem hier zum Download verfügbaren Dokument und seinem Inhalt entnehmen können.

Sie müssen also insbesondere nicht nachweisen, dass bei Ihnen und an Ihrer Klinik alles tiptop läuft (wozu wäre denn dann auch einer Verbesserung oder Fehlerkultur etc nötig?). Damit aber ist auch die Aufnahme im IQM per se kein Qualitätssiegel – oder? Auch nach der Satzung ist für die Aufnahme nur eine Entscheidung des Vorstandes des eingetragenen, privatrechtlichen Vereins erforderlich. Ein privatrechtlicher Verein, der – mithin und wie hübsch das bei Pressemitteilungen klingen mag – keine irgendwie gearteten amtlich anzusehenden Befugnisse hat oder behördlich verbindliche Qualitätsbeurteilungen abgibt, oder?

Genügt Ihnen dies? Um das einordnen zu können, was auch bissl arg undercover bleibt an Info über den für Patienten erforderlichen Erkenntniswert zur Aufnahme einer Klinik in die IQM?

Übrigens………..gibt es neben Kliniken, die derzeit mit viel frischem Geld in dreistelligen Millionenbeträgen für Neubauten vom Land zur Sanierung rechnen und Patienten bereits jetzt auf 12 Jahre Baustelle hinweisen lassen und neben Kliniken, deren Träger in Planinsolvenzen gehen (siehe dazu auch hier und dort zum aktuellen Stand per 4.1.2016) und Kliniken, die rote Zahlen beklagen auch Kliniken, die sehr neugierig machen könnten. Weil sie seit langem schwarze Zahlen schreiben. Und weil man doch neugierig sein könnte, warum es dort scheinbar keine Klagen über Dreck und Hygienemängel und Überstunden und anderes zu geben scheint.

Vielleicht auch keinen mörderisch modern gestalteten, aber ohne weiteres mit den essentiellen Informationen genügendem  Webauftritt wie bei anderen Kliniken, die sich das manches kosten lassen. Immer wieder mal kosten lassen, um up to date zum Goldstandard des Internets zu sein für alle möglichen mobilen Endgeräte. Während für andere Kliniken vielleicht etwas anderes zu  zählen scheint: Gute Medizin und das bei schwarzen Zahlen für Patienten, die nicht ins Internet, sondern in die Klinik gehen.

Klingt altmodisch? Scheint aber zu funktionieren. Könnte ja vielleicht mal andernorts auch wieder in  Mode kommen? Ebenso wie die Pünktlichkeit bei Terminen.😉

Ni X für U ngut.

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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3 Antworten zu Money, Money, Money und Mißstände an Kliniken {Undercover Report}

  1. Liz Collet schreibt:

    Zu dem Bericht über die Städtischen Kliniken haben diese mit der HIER veröffentlichten Presseerklärung inzwischen reagiert.

  2. Pingback: Wollen SIE heimlich als Patient im Krankenhaus gefilmt werden? | Jus@Publicum

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