Wollen SIE heimlich als Patient im Krankenhaus gefilmt werden?

Lotse© Liz Collet

Lotse© Liz Collet

Die Frage ist in sich absurd, denn wenn Sie einwilligen und das nach vorheriger Frage, ist es schon nicht mehr heimlich.

Wer Sie heimlich filmt, fragt Sie gerade nicht. Es ist ihm völlig wurscht, was Sie wollen, Ihre Meinung, Ihren Wunsch, Ihre Bedürfnisse nach Privatsphäre respektiert er nicht im Mindesten.

Wenn Sie Patient in einer Klinik sind, wollen Sie dann ungefragt, heimlich gefilmt werden?

Bei Ihrer Untersuchung? Ihrer Behandlung? In einer Situation, in der es Ihnen gesundheitlich sicher nicht nur körperlich nicht gut geht?

Wo und wenn sie Ärzten, Pflegern und anderem Personal vertrauen, dass Sie nicht nur medizinisch gut versorgt werden, sondern auch als Patient unter anderem durch Schweigepflichtregeln und Privatsphäre geschützt werden? Das geht bekanntlich so weit, dass nicht jeder Zutritt zu Ihnen und Ihrem Krankenbett, in Behandlungsräume hat, nicht jeder Auskunft über Ihren Zustand erhält, ja : präziser noch, nicht einmal darüber, dass Sie überhaupt Patient in einer Klinik sind.

Selbst Prominenten steht solche Privatsphäre zu, auch diese müssen nicht hinnehmen, dass sich Dritte, ja nicht einmal vermeintlich der öffentlichen Berichterstattung auch darüber Berechtigte und Verpflichtete in Kliniken offen oder sich heimlich einschleichend filmen oder recherchieren dürfen.

Noch weniger muss das Lizchen Müller oder Otto Normalpatient. Und noch weniger müssen diese hinnehmen, dass sich im Kittel angeblichen Personals einer Klinik Journalisten einschleichen und unter Ausnutzung des Vertrauens der Klinikleitung, des anderen Personals und Ihres Vertrauens Zugang zu dem zu schützenden Bereicht Ihrer Privat- und Intimsphäre als Patient erlangen und damit auf alle die Informationen, die Sie Presse noch weniger als anderen preisgeben würden. Erst recht keine Einwilligung in Bild- und Filmaufnahmen, gleich ob diese mehr oder weniger gut verpixelt würden.

Journalisten, die weder das Vertrauen erzielen können, von Patienten noch von Personal Informationen darüber zu erhalten, was kritikwürdig sein soll und unter Benennung solcher Personen namentlich oder anomisiert mit deren Einverständnis ausserhalb einer Klinik filmen und berichten zu können, muss die Frage gestellt werden, mit welcher Legitimation sie sich dann über eine solche fehlende Kooperation und freiwillige Mitwirkung und Einwilligung dazu hinwegsetzen dürften?

Mit welcher Legitimation glaubt man hier mehr Rechte zu haben und verletzen zu dürfen, als selbst für und während etwaigen zivilrechtlichen Auseinandersetzungen oder strafrechtlichen Ermittlungsverfahren betroffene Patienten selbst oder Ermittler oder Anwälte Rechte und Befugnisse  zur Erlangung von Beweismitteln haben?

Zu Recht berichten Medien über skandalöse heimliche Bild- und Filmaufnahmen von Medizinern mit oder von ihren Patienten, von Pflegern, die sich mit ihren (bewusstlosen, dementen oder ihnen aus anderen Gründen vertrauenden oder anvertrauten) Patienten fotografieren oder filmen und dies ggf. sogar noch in social media posten.

Was aber legitimiert Medien, nach eigenem Gutdünken diese Grenzen nicht ebenfalls respektieren zu müssen? Angebliches Interesse von Patienten und Personal? Dessen Einwilligung sie nicht durch Frage als Legitimation erlangen können? Pressefreiheit? Auch die hat Grenzen – an Haustüren, wie Türen zu Behandlungszimmern und Kliniken und der Privatsphäre von Patienten.

Zu dem hier erwähntem Bericht über die Städtischen Kliniken haben diese mit der HIER veröffentlichten Presseerklärung inzwischen reagiert. Sachlich berechtigte Kritikpunkte können anders als durch heimliche Filmaufnahmen durch eingeschleustes angebliches Personal und Praktikanten belegt und berichtet werden, als durch den Missbrauch der zu schützenden Privatsphäre von Patienten.

Als Patient und im Interesse von (auch künftigen potentiellen) Patienten wäre es dringlich wünschenswert, dass ein Klinikum hier auch alle möglichen rechtlichen Maßnahmen gegen die erfolgten und etwaige künftige Undercover-Presserecherchen und Film- und Bildaufnahmen ergreift und durchzusetzt. Auch um ein deutliches Signal zu setzen gegen weitere Undercover-Ambitionierte und für Patienten, die nicht nur Schutz gegen heimliche Bild- und Filmaufnahmen von wirklichen Medizinern oder anderem Personal zu anderen als medizinischen Zwecken verdienen. Solchen, die üblicherweise auch nur als bildgebende und andere Verfahren der Diagnostik von behandlungsbedürftigen Zuständen eines Patienten und nicht verbesserungsbedürftiger Zustände einer Klinik von Krankenkassen der jeweiligen Patienten als erstattungsfähig abgerechnet und beglichen werden.

Eine Klinik, die ihre Patienten gegen heimliche journalistische Recherchen, Bild- und Filmaufnahmen nicht auch rechtlich verteidigt mit allen ihr obliegenden und möglichen Rechtsmitteln, verdient sowenig Vertrauen wie eine, die andere Pflichten verletzt, seien sie solche der Hygiene, der Sicherstellung qualifizierten und nicht überlasteten Personals oder medizinischer Geräte.

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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