Und dann guggte er sich die Radieserl schon eine Weile von unten an….

Radieschen, Frisches Knabberzeug© Liz Collet

Radieschen, Frisches Knabberzeug© Liz Collet

……..und nicht etwa Rumänien zusammen mit seiner Freundin. Wie seine Eltern fünf Jahre lang glaubten.

Wir denken nun darüber nach, wie es kommt, dass mancher von seinen Eltern oder Angehörigen nicht als vermisst gemeldet wird, der sich schon ein wenig länger so gar nicht bei ihnen meldet. Und wie lange man und warum man glaubt, dass jemand sich 5 Jahre nicht meldet, selbst wenn er sich mal im Ausland umsehen wollte. Völlig ohne Vorwurf – nur eben, weil es nachdenklich macht. Wann würden Sie und welche Schritte unternehmen, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter – ob volljährig oder nicht – länger nichts von sich hören lässt?

Und ein anderer Gedanke schiebt sich beim Lesen ins Gemüt, wenn man liest, wo überall gern mal Menschen unter die Erde gebracht werden, die man zuvor (irgendwie und in noch zu ermittelnder und zu klärender Weise) um die Ecke gebracht hat. Redensartlich, wie tatsächlich hinter’s Haus und in den Garten, wo man selbigen dann einbuddelte. Über das Gemüt, das uns an das sprichwörtliche des Schlachterhundes denken lässt. Oder ein Gemüt, welches in der Lage ist, jahraus, jahrein den Rasen zu mähen und über die Wiese zu spazieren oder sich im Garten vielleicht zu sonnen, dessen Rasen über der Leiche darunter so hübsch grünt. Über so ein Gemüt und die Fähigkeiten des Menschen in seiner Unmenschlichkeit zur Verdrängung oder Akzeptanz der Leichen im Keller und Grund und Boden wagen wir keine psychologische Interpretation. Doch der Garten beschäftigt das Gemüt.

Schuld daran mag (auch) ein Artikel der SZ sein, der gestern mit einem so unverschämt in Anspruchs- und Erwartungshaltung gekleidetem Satz fragte:

„Muss man für den vegan lebenden Schwiegersohn extra kochen?“

Btw…….es könnte Eltern von Töchtern oder auch solcher Schwiegersöhne geben, die das von der äusserlichen Erscheinung, den sonstigen Vorzügen einer Tochter abhängig machen, wie weit man den (künftigen oder Schon-) Schwiegersohn so vegan hätscheln muss, wenn einem an Verehelichung und Fortbestand der Ehe des Töchterleins gelegen ist. Aber lassen wir das Kapitel, welche Form und Ausmasse des Hofierens von Schwiegersöhnen heute noch oder wieder oder unvermindert als sinnvoll und nötig erachtet werden.

Das Kernthema war wohl auch eher: MUSS (sic) man für vegan lebende Gäste bei Tisch extra kochen?

Ich stelle da einfach mal die simple Gegenfrage anders herum : Muss ein Veganer oder Vegetarier für mich dann auch Fleisch brutzeln, wenn er mich zum Essen einlädt?

Wenn die Süddeutsche Zeitung das und das als MUSS ebenso mit ja beantwortet, darf sie mich als Normalesser gern nochmal fragen, für wen man angeblich alles Mögliche heutzutage nicht foodethisch nicht mehr kochen dürfe, aber jedem das Seine brutzeln „müsse“.

Denn so langsam zerreisst es mir die Hutschnur mit den Anspruchshaltungen und kulinarischen und medialen, selbsternannten und überheblichen foodethischen Moralaposteln, die aus einer jahrhundertealten simplen goldenen Toleranzregel auf beiden Seiten von Gast und Gastgeber MUSS-Regeln und Anspruchshaltungen machen und dieser Übergriffigkeit für legitim ansehen. Allein schon durch die Art der Frage.

Nun bin ich ja zwar so erzogen worden: Für die Gäste stets das Beste und jedem das, was er mag – von dem, was da ist und soweit machbar für ihn eingekauft und zubereitet und serviert wurde und wird. Weil man es GERN tut, aber nicht, weil irgendwer meint, man MÜSSE das. Und weil bei uns die wunderbare bajuwarisch-francophile Lebensart und -maxime gilt:

Jedem Tierchen sein Pläsierchen – Chacun à son plaisir et goût.

Wer kein Fleisch mag, kann es ja weglassen und den Salat geniessen, den es eh dazu gibt. Und davon Nachschlag haben.

Die Woche über wird bei mir nicht ausnahmslos, aber überwiegend fleischfrei gegessen. Und selbst an Wochenenden oft genug noch fleischfrei. Insider wissen, dass bei mir in der Vielfalt von Mehlspeisen und fleischlosen Gerichten auch über Wochen keine Langeweile bei Rezepten aufkommt. Dass ich hier im Blauen Land neben den immer schon auch in der Isarmetropole selbst gehegten Pflanzerln auch wild wachsende Nahrungsmittel aus der Natur liebe und nutze, von denen mit wenigen Zutaten schon endlose Zahl von Rezepten möglich ist, sämtlich ohne Fleisch, ist den Lesern meiner verschiedenen Blogs und anderen Veröffentlichungen lange bekannt, Bekannten wie Freunden und Familie eh.

Dass für mich der Genuss von Innereien keine Frage aktuellen Trends oder von Slogans „From Nose to Tail“ ist, sondern seit Kindheit vertraute und gewohnte Esskultur ebenso. Im wörtlichsten Sinne des Wortes. Daher bekomme ich Heiterkeitsanfälle, die sich mit innerem Kopfschütteln ein Duett gönnen, wenn ich lese, dass Blogs neuerdings Schweineschwänzchen als „die“ Entdeckung bejubeln.

So what!?

Schweinepfötchen und –schwanzerl sind bei der Knöcherlsulz wie auch als Bratl aus dem Reindl und auf dem Kraut gekocht eine der Zutaten, die gang und gäbe bei uns waren und sind. Und nicht zuletzt landet manches davon auch in Wurst und Pressack. Oder als Ragout zu Reis, Pasta oder Gemüse.

Innereien – von Herz vom Kalb (auch mal gegrillt und nicht allein als Ragout schmackhaft, mager und zart) oder Schwein über Leber von Schwein, Lamm, Kalb, Ente oder anderem Geflügel,  und Nieren (vom Spanferkel besonders fein)  und bis hin zu Euter inklusive – sind gängige und selbstverständliche Zutaten. In Leberknödl, -nockerl oder -spätzle für Suppe oder auf Kraut ist Leber unverzichtbar. Ein guter (!) Ochsenmaulsalat ist mir seit Kindesbeinen an Leib- und Magenspeise ebenso wie Ochsenschwanzsuppe. Und eine abgebräunte Milzwurst ist – ob aufgespiesst zur Suppe in Verrine  oder zu Kartoffelsalat oder Breze oder Bäckersemmeln oder Salat eine von vielen Leibspeisen, bei denen Innereien unverzichtbar sind. Je grösser und je mehr Milzbröckerl im Brät, um so lieber.

From Nose to Tail.

Wie schnell es in der Realität bei den Vertretern von „From Nose to Tail“ vorbei ist mit der Umsetzung des Slogans, können Sie erleben, wenn Sie die beim Wort nehmen, die damit so gern foodethisch hausieren gehen und ihnen beispielsweise „in Aventinus glasierte Sauriassl mit Kartoffelknödl und Wurzelgemüse“ auf die Speisekarte setzen, wie es das Weisse Bräuhaus in München diese Woche getan hat.

Food und Foodethik ist ein Trend und modisch chic – in der Theorie bei den einen. Die anderen machen daraus geradezu fanatisch eine Religion und Diktatur zugleich.

Da wird aus nicht wenigen vormaligen Knorr-und-Maggi-Fix-„Köchen“ eine Gruppe freier Radikaler, die sich die mediale Zelebration der Verurteilung derer auf die Fahnen geschrieben haben, die sich als Fleisch- und Normalesser für die Sonderwünsche aller anderen nicht regelrecht in die PFLICHT nehmen lassen. Und in eine Pflicht, es allen und jedem recht machen zu müssen, wenn sie nicht als intolerant oder gastunfreundlich angeprangert werden wollen.

Wer bei mir Gast ist und kein Fleisch will, kann gern nur Salat oder Gemüse auf dem Teller haben, den es eh zum Fleisch gibt. Ich brate aber keinen Tofu , den ich sonst auch nie kaufen würde.  Und zwar aus mindestens so guten Gründen nicht kaufen würde, wie mancher Vegetarier seinerseits vielleicht kein Fleisch kauft. Wenn ich von einem Veganer eingeladen werde, erwarte ich auch nicht, dass er mir ein Schnitzel brutzelt. Und beklage mich auch nicht, wenn ich dort nicht das zu essen bekomme, was ich mir zuhause selbst vielleicht lieber zubereite und gewohnt bin.

Ich habe nicht das Geringste gegen Vegetarier & andere Ernährungsweisen oder kluge Menschen, die glauben, die Weisheit über Vorteile fleischlosen oder gar veganen Essens gepachtet und die überlegenere und bessere Kenntnis zu haben. Sie mögen damit gern glücklich sein. Müssen aber nicht andere kulinarisch missionieren oder kolonialisieren wollen, gar in deren eigenem Heim und an deren Herd, nur weil sie dank der Freundlichkeit eines Gastgebers Gast in seinem Hause sein dürfen und als solcher willkommen sind. Und das missverstehen als Einladung, dann in einer Anspruchshaltung dort das serviert zu bekommen, wozu sie bei der Gelegenheit dann nicht die Mühe des Kochens und nicht die Kosten eines vegetarischen oder veganen Restaurantbesuchs haben, in dem sie mit dem Finger schnippend Koch und Kellner servieren lassen können, was ihnen vegan und vegetarisch lieb sein mag.

Wer eine Nussallergie hat, bekommt bei mir keinen Haselnussguglhupf zum Kaffee vorgesetzt. Und wer kein Fleisch mag, wird – wenn er sonst nett ist –  gern eingeladen sein und auch satt werden. Ihm werde ich auch keinen Ochsenmaulsalat vorsetzen – aber nicht weil er dann mault und weil ich das MÜSSTE. Sondern weil ich es als unhöflich empfände, wenn ich weiss, derjenige mag es nicht. Das aber ist Höflichkeit und Gastfreundlichkeit – und mitnichten PFLICHT und MUSS. Wie die SZ und mancher andere meinen, die Gastgeber als verpflichtet anzusehen belieben, das zu kochen, was Veganer und Vegetarier zu kochen belieben.

Ich habe  etwas gegen diese auffallend zunehmende Intoleranz derer, die anderen ihre Lebensweise aufzwingen wollen, als hätten nur sie die Weisheit mit Löffeln gegessen, während sie selbigen in meine Suppenschüssel tauchen und während ich meine Suppe und mein Brot mit ihnen teile.

Als Gast gilt (für mich selbst), mich Sitten und Bräuchen des Ortes und der Menschen anzupassen, bei denen ich eingeladen bin, nicht mit Anspruchs- und Erwartungshaltung im Haus anderer herumzutrampeln und diese ernährungsethisch kolonialisieren zu wollen. Man mag sich kaum auszumalen, wie Vegetarier und Veganer zum Verhungern veurteilt wären, wenn sie in einem Dritte-Welt-Land zum Essen eingeladen werden. Und müsste bange werden, wie fix es zu diplomatischen Verwicklungen und kriegerischen Diskussionen käme, würden sie da auch am Essen rummeckern und Ansprüche an Gastgeber stellen, wonach man für den vegan lebenden Gast fleischlos kochen MÜSSE.

Es könnte leicht zu mehr als diplomatischen Verstimmungen und mehr als einer Demarche kommen, wenn der so brüskierte Gastgeber – verständlicherweise  – dem so anspruchsvollen und Ansprüche stellendem Gast zeigen würde, wo der Zimmermann bei ihm das Loch für die Unzufriedenen gelassen habe, wenn sie mit dem, was er mit ihnen teile, nicht zufrieden seien und erwarten, dass er ihre Lebensweise und Ernährung teilen MÜSSE, wenn sie bei ihm Gast im Hause seien.

Es ist ein feiner Grat wie bei allen Formen der Höflichkeit und der Toleranz und Gastfreundschaft, wie der Diplomatie, mit anderen gern das und manchmal auch das sehr Wenige zu teilen an Speis und Trank und das auch darin auch Entgegenkommen bei Bedürfnissen eines Gastes zu zeigen einerseits. Und der Anspruchshaltung und einer moralischen MUSS-Pflicht als Gastgeber, die längst mehr die Intoleranz der vermeintlich Besser-Esser und selbsternannten Foodethiker decouvriert, als eine Intoleranz der Normalesser. Die nicht selten jedes Lebensmittel mehr schätzen und verwenden wie auch verwerten, als mancher Veganer und Vegetarier, bei dem die Müllentsorgung entlarvt, wie viel an Lebensmitteln von ihm vergeudet und weggeworfen  und bestenfalls unter dem Deckmäntelchen der Foodethik per Foodsharing „entsorgt“, pardon: getauscht, gestiftet und an Bedürftige(re) noch weitergereicht werden kann. Anstatt beim Einkauf bewusster zu kalkulieren und gar nicht erst Überfluss zu kaufen und dann nicht zu wissen, wohin damit – vor Ablaufdatum oder danach. Ich habe nicht wenige Veganer und Vegetarier getroffen, die aus lauter Dummheit über Essbarkeit und Verwendungsmöglichkeiten die Blätter von Radieschen, Kohlrabi und Möhren u.a. immer wegwerfen.

Wenn sie nicht zu jenen gehören, die eh nur noch Lebensmittel aus eigener Erzeugung und Eigenanbau für geniessbar halten. Und Ihnen als das einzig selig machende servieren. Womit wir bei einem heiklen Thema landen.

Haben SIE lauter tolle Veganer und Vegetarier in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, die ach so viel gesündere Lebensmittel aus Eigenerzeugung aus Überzeugung Ihnen missionarisch und kulinarisch an das (blöd, aber eben doch fleischliche) Herz und auf den Teller legen, wenn Sie dort eingeladen werden?

Wenn das so ist, könnten Sie demnächst vielleicht mal darüber nachdenken, ob es wirklich immer so ratsam ist, blind zu vertrauen, dass Veggie und Vegan-Eigenerzeuger über die allerbesten Foodzutaten verfügen.

Was weiss man schon, wer sich in manchen Gärten die Radieserl und den Salat und das Gemüse aus Eigenerzeugung von unten anschaut? Wo mancher mit dem Gemüt eines Schlachterhundes jemanden unter die Erde brachte, den er vorher umbrachte, …..wie soll man da sicher sein, dass es ihn stören würde, darüber nicht auch vielleicht die Zucchini und Auberginen zu züchten, die er für Sie dann mit Tofu und veganen Saitlingen auf den Grill wirft?

Wer weiss das schon, auf welchem Boden so manche vegane und vegetarische Kultur von Lebensmittelpflanzen und -zutaten immer so wuchert…..?

Denken Sie mal darüber nach……

Ni X für U ngut!

*

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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4 Antworten zu Und dann guggte er sich die Radieserl schon eine Weile von unten an….

  1. maxrheub schreibt:

    Wo ist das Problem?
    Einfach immer einen Topf Kartoffeln zu den übrigen Genüssen auf den Tisch stellen: Vegan, koscher, halal, glutenfrei und was auch immer. Von Kartoffelallergie hab ich noch nie gehört. Kann jeder zugreifen.

    Die guten Sachen vom toten Tier jedweder Art bleiben dann für die, die sie zu würdigen wissen.

    (Und wenn Veganer*in wiederkommen soll, dann hat man auf dem Fensterbrett ein Kräutertöpfchen)

  2. Liz Collet schreibt:

    Prima Idee, das mit den Kartoffeln. Pellkartoffeln zB gibt es eh oft bei mir – allerdings mit der „hochgefährlichen“ guten Butter oder Topfen oder (huhhhh) mit Blut- und/oder Leberwurst zB. Ich wage die Prognose: Wenn sich IHR heisser Kartoffeltipp als Waffe, pardon: als Futterangebot von Nichtveganern für Veganer herumspricht, wird es bis zur ersten Veröffentlichung von Kartoffelallergien nicht mehr lang dauern. Wetten?😉

  3. Pingback: Polizeiinspektion “nebenan” als Sicherheitsgarantie? {Es grünt so grün,…..} | Jus@Publicum

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