Urteile gegen fünf Ex-Mitarbeiter des Uniklinikums Aachen wegen Selfies mit Patienten

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Justice© Liz Collet

Im Herbst hatte ich berichtet über den Fall: Fünf Mitarbeiter fertigen und verbreiten Selfies mit Patienten des Uniklinikums Aachen – die Staatsanwaltschaft ermittelt .

Nun standen die fünf Angeklagten Stefan K., Kristof H., Rafal B., Cem K. und Marlene C. – alle zwischen 25 und 32 Jahre alt – vor Gericht, es ging insgesamt um Fotos von neun Patienten. An der Entstehung der Aufnahmen waren die Angeklagten abwechselnd beteiligt. Wie man lesen kann, legen sie persönlich mehr Wert auf die Wahrung ihres Persönlichkeitsrechts und Rechts am eigenen Bild:

„Sie alle halten sich gestern Aktenordner vor ihre Gesichter – sie wollen nicht fotografiert werden.“

Berichten zufolge haben sie seinerzeit einen Mann  mit weißer Creme im Gesicht beschmiert, fotografiert. Einige der Patienten liegen unbekleidet in ihrem Bett, die sie fotografierten. Einem dementen Herzpatienten werden „Dracula“-Zähne aufgemalt und etwas auf dem Bauch geschrieben und dieser fotografiert. Eine Pflegerin legte sich zu einem hilflosen Mann ins Bett, machte dazu ein „Victory“-Zeichen für das Foto. Dies und weitere Beschreibungen sind hier zu lesen,  sowie hier.

Diese festgehaltenen, entwürdigenden Situationen von hilflosen Senioren entstehen zwischen Herbst 2013 und Sommer 2014. Doch damit nicht genug, die Fotos werden beim Nachrichtendienst „Whatsapp“ in einen Gruppen-Chat der Pfleger hochgeladen. Die Gruppe nennen sie „Quatsch-Gruppe“.

Schon angesichts des Gruppennamens darf man bezweifeln, dass der Upload der Bilder angeblich versehentlich geschehen sei und anstelle von Fotos einer Fortbildung, die angeblich hochgeladen werden hätten sollen. Die Dreistigkeit einer solchen Schutzbehauptung bei Fotos, die ersichtlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten gefertigt und hochgeladen worden sein sollen, decouvriert die angebliche Reue und Glaubhaftigkeit des Ernstes der Entschuldigungen und sollte bei der Frage der weiteren Berufstätigkeit, die nun noch gesondert zu prüfen und entscheiden ist, nicht ohne Berücksichtigung bleiben, denn:

Im Sommer 2014 hatte die Aachener Klinikleitung Kenntnis durch einen anonymen Hinweis, der zur Entlassung der Mitarbeiter führte. Sie sollen aber nach eigenen Angaben schon wieder bei anderen Einrichtungen arbeiten.

Nach dem ergangenen Urteil des Amtsgerichts Aachen sind drei der Angeklagten vom Gericht zu Freiheitsstrafen zwischen sechs und acht Monaten verurteilt worden – auf Bewährung. Alle müssen Geldstrafen wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs zahlen – die Beträge liegen zwischen 750 und 4200 Euro. 

Siehe auch:  

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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