„Darling, bevor ich „Ja“ sage oder Dich um das „Ja“ bitte, sag‘ mal: Sind Deine Gene geCRISPRt?“

Kinderwunsch, Sterilisation, Refertilisation, Familienplanung, Hoffnung © Liz Collet

Hoffnung © Liz Collet

Interessieren könnte es manchen ja vielleicht durchaus, mit wem er eine Ehe künftig eingeht und mit wem er eigenen Nachkömmlinge in die Welt setzen möchte – oder vielleicht auch nicht.

Hey – in einer Welt, in der Paare und Partner sich bei der Nachwuchsplanung längst aussuchen wollen und in manchen Ländern und im Auslaund auch aussuchen können, welche Gene und Eigenschaften gespendete Eizellen und Samen haben sollen oder nicht und schon von Klagen wegen gescheiterter Erfüllung solcher Ansprüche und Erwartungshaltung die Rede ist, da liegt der Wunsch nicht völlig fern, sich auch den für Verlobung, Heirat und Nachkommen auserkorenen Lebenspartner genetisch anzuguggen. Oder? Und was liegt näher, als ihn zu fragen? Oder die Schwiegereltern in spe, die pränatal ihren damaligen Nachwuchs crispr-en liessen.

Eltern, die zwar schon überfordert sind, einzuschätzen, wie gut ihre Erziehung im Umgang mit Internet und fremdem geistigen Eigentum fruchten mag und dann lieber mit Urhebern über Zeugnisverweigerungsrechte durch Instanzen streiten, als ihre elterliche oder die Verantwortung ihrer Sprösslinge für Rechtsverstösse wahrnehmen zu müssen. Aber sich nicht überfordert glauben, langfristige Folgen der Genmanipulation an ihren Embryonen einschätzen zu können, wenn die Medizin ihnen die Möglichkeit zur Anwendung von CRISPR gibt.

In Grossbritannien soll CRISPR nun erlaubt sein.

Was immer man an Antworten und Auskünften (wahrheitsgemäss) von Partner und Schwiegerzüchtern…pardon: Schwiegereltern in spe erhalten mag und auch mehr oder weniger kongruent abbildet, was diese medizinisch damals wie inzwischen wissen über Risiken, Vorteile, Nachteile der erfolgten Genmanipulation für das eigene Kind und ihre potentiellen künftigen Enkel……….. Umtausch ist nicht ausgeschlossen. Heisst aber sicher auch dann nach wie vor noch Scheidung, jedenfalls beim genmanipulierten Ehegatten. Wenn die Enkel und Kinder sich doch bissi unerwartet entwickeln sollten. Und keiner so genau weiss, ob’s dann die generationenweise nur vererbten, generationsausnahmsweise genmanipulierten Erbteilchen waren – wo Ehen und Kinderwünsche anders ausgehen, als mancher sich so vorstellte. Man kann sie ja schlecht zur Adoption freigeben, wenn sie….. allenfalls entwickeln sich da neue Potentiale für Sorgepflichtstreitigkeiten.

„Deine  Gene, Deine Sorgepflicht, dann wohnen sie auch bei Dir, sieh zu, wie Du diese ge-crspr-ten Sprösslinge der 2.ten Generation in den Griff kriegst….!“

Denken Sie das weiter, wenn man dem so erbosten Elternteil die eigenen CRISPR-Therapie und erst recht auf Fragen verschwieg…..? Dagegen sind „Kuckuckskinder“-Rechtsfragen Petitessen.

Und: Kausalität ist dann ein hübsches Wort mit Zündstoff.

„Du bist wie Deine Mutter“……….kann da völlig neue Sprengkraft und entfalten. Vor allem mit hübschen Zusätze wie etwa „Du bist ja schlimmer als Deine Mutter“ oder „Hätten Deine Eltern das nicht damals wenigstens gleich genetisch mit ausmerzen können, wenn Sie schon in Deinen Genen rumdoktern liessen?“ Oder auch: „DAS hat unser Filius von Dir und Deinen vermurksten Genen“.

Wo selbst Apotheker neuerdings für Folgen der verabreichten Pille danach vorsehen müssen, was sie hinterher erwarten kann, wenn einer sie haftbar machen möchte, ……..?

Wenn man sich jetzt noch – in charmanter Anlehnung an arbeitsgerichtliche oder kfz-kaufrechtliche oder gar produkthaftungsrechtliche Grundsätze – überlegt, auf welche vorehelichen Fragen man wahrheitsgemäss antworten muss, welcher genetische Baustein kein Originalbaustein mehr ist………….  Nicht mal der mit viel Erfindergeist und Patent-Dübel glücklich und wohlhabend  gewordene, aber vor allem an Ideen reich gesegnete kürzlich verstorbene Herr Fischer hätte da so schnell ein Patentrezept für solche Baustein-Probleme.

Ach, wäre es nicht leicht, würde der Mensch sich nur an den magischen Satz angelehnt mit dem Basteln an Genen des Menschen zurückhalten –  Die Würde des Menschen ist unantastbar?  GENau!

Bevor es weh tut?

Die Modifizierungen werden an Embryos in der Woche nach der Befruchtung vorgenommen. Die Embryonen dürfen keiner Frau eingepflanzt werden. Die Erlaubnis kommt von der Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA). Die britischen Forscher wollen die sogenannte „crispr“-Genschere für ihre Genmanipulationen nutzen. Die Methode ermöglicht es, auf einfache und gezielte Weise Erbanlagen zu verändern oder auszutauschen.

Wie lange mag es dauern, bis die Embryonen auch einer Frau eingepflanzt werden sollen und dürfen?

Wieviele Finger brauchen Sie, um es abzuzählen, bis auch dabei die Nachfrage nach medizinisch Machbarem das medizinische Mögliche und seine Macher im Gesundheitsmarkt der wunderbaren Möglichkeiten der schönen neuen medizinischen Welt machen lassen wird, wie schon bei inzwischen praktizierten Selektionen der Auswahl genetischer Merkmale im Rahmen pränataler Massnahmen von IVF, PID & Co?

In ein paar Jahren werden manche Gespräche vor einem Heiratsantrag oder schon früher nach dem Kennenlernen vielleicht mit der scheinbar harmlosen Frage beginnen:

„Sag mal Schatzi, hat das eigentlich einen besonderen Grund, warum Deine Eltern Dich CHRIStoPh taufen haben lassen?“

Man kommt ja auf lustige Ideen.  Und man wird doch mal fragen dürfen, oder… – nicht?

Und en passant…….wann – finden SIE eigentlich – sollten Menschenrechte beginnen, wenn andere  in Ihr Leben schon pränatal in Ihre Gene eingreifen? Mein Bauch gehört mir – ein hübscher Satz. Aber ………….Ihre Gene gehören als Nachwuchs nicht IHNEN? Wo beginnt Kindes-Menschenrecht, wie weit reicht elterliches Sorgerecht bis in Gene der werdenden, ungeborenen Kinder hinein?

Es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken……….n’est-ce pas?

Ni X für U ngut!

PS: Sollte dieser Beitrag irgendwie blinken, funkeln oder glitzern oder Konfetti regnen lassen – nicht wundern, wir sind nicht im Faschingsfieber. Es ist der 5000. Blogbeitrag hier.  Man weiss ja nie, was WP in so einem Fall aus der Wundertüte oder re.Torte sprudeln lässt….

 

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter Arztrecht, Berufsrecht, Familienrecht, Forschung und Wissenschaft, Gesetzgebung, Gesundheitswesen, Ironymus Sein, Münchner Spitzerln, Medizin- und Gesundheit(srecht), Medizinrecht, Menschenrechte, Murnauer Spitzerl, Nähkästchen, News & Medien, Ni X für U ngut, Patientenrecht abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu „Darling, bevor ich „Ja“ sage oder Dich um das „Ja“ bitte, sag‘ mal: Sind Deine Gene geCRISPRt?“

  1. Liz Collet schreibt:

    Im Beitrag „CRISPR-Cas9-Methode: Genome Editing – Goldgräberstimmung im Gen-Labor“ http://www.br.de/themen/wissen/genome-editing-crispr-keimbahntherapie-100.html befasst sich einen Tag später nun auch der BR mit dem Thema. Der Kommentar des BR dazu in „Gefährlicher Dammbruch? Der Weg zum optimierten Kind! “ http://www.br.de/radio/bayern2/politik/radiowelt/embryonengesetz-kommentar-100.html

  2. Pingback: Blattlt {5/52} | Jus@Publicum

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s