„Lieber Zahnarzt, erzähl mir doch mal was, wie der Hirntod geht…..!“

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Option ohne Pflicht © Liz Collet

Haben Sie sich schon mal von Ihrem Zahnarzt den sogenannten „Hirntod“ erklären lassen? Das Wörtchen „sogenannter“ übersehen Sie bitte nicht.

Das hat nicht erst neuerdings einen Grund.

Neuerdings aber noch einen Grund mehr, als Sie denken und wissen werden, wie ich annehme.

Aber der Reihenfolge nach.

Also – haben Sie Ihren Zahnarzt schon mal gefragt, wie dieser sog. Hirn“tod“ diagnostiziert wird? Hätten SIE je daran gedacht, diesen zu fragen? Vermutlich eher nicht. Ihr Verstand hätte Sie eher nicht auf so eine Idee gebracht.

Machen Sie mal, das wird lustig!!

Nehmen Sie sich ruhig mal die Zeit und ihrem Zahnarzt ein bisschen von seiner.  Die KZBV will das nämlich so von Ihnen. Und von Ihrem Zahnarzt. 

Das glauben Sie mir nicht? Ihr Zahnarzt auf Anhieb vielleicht auch nicht. Schauen Sie nicht so ungläubig. Sie sollen ihn nämlich ab sofort danach fragen. Auch wenn Ihnen Ihr Zahnarzt das erstmal ebenso ungläubig guggend nicht glauben mag.

Hirntod ist nämlich so eine Sache. Da ist schon das Wörtchen TOD nicht wirklich angebracht. Vor allem aber ist es schwierig mit der Definition, was genau der HirnTOD sein soll. Denn schon bisher war und durfte da gar nicht das ganze Hirn „tot“ sein. Nur ein Teil der Hirnfunktionen ausgefallen. Wurde trotzdem Hirntod genannt. Damit die Zustimmung zur Organentnahme leichter fällt, wenn Sie „ja eh tot sind“. Oder das eben denken. Weil es leichter ist, alles herzugeben, was andere brauchen können, Sie aber nicht mehr, wenn Sie „wirklich und eh tot“ sind. Oder seien.

So denken und sagen es dann ja auch immer die Bürger, die zustimmen: „Wenn ich doch eh tot bin, …..“

Aber ob Sie das sind, ist eine andere Frage. Nicht nur der Definition, wann das wirklich ganze Hirn und der ganze Mensch wirklich tot sind. Könnte sein, dass Ihnen das Ihr Zahnarzt schon nicht so wirklich genau sagen kann. Definitionsmässig.

Sie könnten ihn in seiner Fachgebiets- und Fachkompetenz in tiefe Depressionen stürzen, wenn Sie ihn dann noch fragen, wie der sogenannte Hirntod oder Ausfall der Hirnfunktionen überhaupt diagnostiziert wird, also mit welchen Untersuchungen und wer das macht und so ganz genau. Diagnosemässig.

Spätestens dann merken Sie und er, wenn er (vielleicht) weiss und sagt, dass das „Experten“ oder „Neurologen“ machen, dass das nicht so wirklich SEIN Fachgebiet als Zahnarzt ist. Wie Hirntod geht. Oder diagnostiziert wird. Und dass er vielleicht nicht so wirklich der richtige Experte ist, Ihnen diese Fragen zu beantworten.

Wenn Ihr Zahnarzt das nicht so lustig findet und Ihnen den Zahn ziehen will, dass Sie sich mit ihm darüber unterhalten und von ihm darüber beraten und aufklären lassen wollen, dann verweisen Sie auf die KZBV, die das von ihm so will. Lesen können Sie das ebenso wie Ihr Zahnarzt HIER und DORT.

Wir malen uns für den Rest des Vormittages aus, wie hingerissen Ihr Zahnarzt über diesen Zuwachs an Arbeit und Aufgaben und Pflichten mit Blick auf seine Einnahmen sein wird, wenn er Ihnen nicht Zähne reissen soll, sondern am Rande Ihres Zahnarztbesuches und der für diese (nur) abrechenbaren Leistungen und Kosten der GKV oder Ihrer PKV über seine weiteren Termine mit Patienten des Tages nachdenken wird. Und sich das Hirn zermarten, bis es fault bis hin zum kompletten Ausfall der Hirnfunktion meldet. Weil er daran verzweifeln und scheitern könnte bei den Hürden, ob und was er diesen über Hirntod demnächst auch erzählen muss. Und das ist erst der eine der vielen interessanten Punkte rund um Organspende, über die er Sie aufklären soll.

Wir sind noch nicht einmal da angelangt, wer was wann und wie darüber sagen darf, wie sicher in der Vergangenheit die Hirntod-Diagnostik war oder ob und wo welcher Hirntod vielleicht oder vielleicht nicht ausreichend dokumentiert wurde oder auch nicht vorgelegen haben soll,  welche Fehlerquote dabei aufgetreten sein soll nach Angaben von Mitarbeitern oder in Veröffentlichungen von Neurologen, die Hirntoddiagnosen anderer im Nachhinein überprüften und warum und welche Fehlerquoten dabei zutage getreten sein sollen.

Und diese spezifischen und schwierigen Fragen, zu denen die Bundesärztekammer mehr als nur ein Jahr brauchte, um die Richtlinien zur Hirntoddiagnostik und zur von Experten geforderten Fachkompetenz der den Hirntod feststellenden Mediziner neu zu fassen,  soll Ihr Zahnarzt Ihnen beantworten? Detailliert und umfassend kompetent?

Nichts gegen (gute) Zahnärzte, es gibt viele. Aber sagen wir mal so: Schuster, Leisten, einem jeden sein Fachgebiet.

Zahnärzte begehen keinen Behandlungsfehler, wenn sie bei einer Weisheitszahn-Entfernung Ihren nervus lingualis kappen und Ihnen Geschmacks- und sonstiges Empfinden rauben. Dass sie dafür – jedenfalls dann, wenn sie Sie vorher nicht hinreichend aufgeklärt haben – aufgrund der sog. Aufklärungsrüge haften können und müssen, habe ich vor einigen Jahren für mehrere Mandanten durchgesetzt und mit fünfstelligen Regresszahlungen für Patienten, als Gerichte noch darüber uneinig waren, ob dies einen Behandlungsfehler darstellen könne. Wer aber bei einer blossen Weisheitszahn-Entfernung nicht vermeiden kann, dass der Nerv verletzt wird (weil er nicht kompetent ist oder eben weil diese Nerven dort verlaufen und es nicht bei bester Kompetenz verhinderbar sein kann, dass er sie verletzt), der sollte die Weisheit besitzen, nicht über noch tiefer im Schädel und vor allem im Hirn liegende andere Ausfälle von Nerven und Gehirnfunktionen aufklären zu wollen. Wozu ihm Ausbildung und Wissen eines dafür erforderlichen Fachgebietes fehlt. Das neurologischer Kompetenz, u.a.

Man sollte es ihm weder zumuten, noch von ihm erwarten und auch nicht den Eindruck erwecken, dazu sei er kompetent.

Das und ähnlich schwierige Fragen betreffen die Substanz, existenziell die Grundlage der rechtlichen und medizinischen Voraussetzungen der Organspende insgesamt und vor allem die Kompetenz und Ausbildung derer, die den Hirntod feststellen sollen und dürfen, ihre Erfahrung und die Methoden der Diagnose für die Feststellung des Hirntodes.

Und einen brisanten Bereich, der darauf als Fundament baut: Das Vertrauen in Sicherheit, Transparenz, Überprüfbarkeit und jederzeitige Sicherheit der Hirntoddiagnose als Voraussetzung der Organspende. Und für diejenigen, die ihr zu Lebzeiten zustimmen sollen.

Dass diese Fragen des Hirntodes in Kürze auch den Bundesgerichtshof beschäftigen, darüber und warum das so ist, wird noch in einem eigenen Beitrag zu berichten sein.

Mehr dazu und was (bei allem Ernst des eigentlichen Themas Organspende und angeblicher Hirntod) daran lustig und lächerlich ist und ernsthaft hinterfragt werden muss in puncto Aufklärung und Wissen über Hirntod und wer darüber aufklären und informieren kann, darüber in Kürze mehr. Stay tuned.

Und inzwischen dürfen Sie als kleine Denksportaufgabe für IHR Hirn mal darüber nachdenken, was alles bereits von Ihnen entnommen werden darf, OHNE dass der Hirntod vorliegen müsse oder erst WENN dieser vorliegt und auch diagnostiziert wurde. Während SIE glauben, dass Sie ja „eh tot“ sind, wenn nicht nur Organe oder die Organe, die Sie erlauben oder nicht ausschliessen entnommen werden könnten. Sondern auch Augenhornhäute, Gewebe und Zellen, von denen SIE sicher denken, dass diese auch erst und nur im Falle Ihres sowieso toten Zustandes, also im Zustand des (vermeintlichen) Hirn“todes“ entnommen werden, wie auch  Organe erst entnommen werden dürften. Dieser Beitrag wird Ihnen dazu vielleicht schon mal die Augen öffnen, bevor jemand Hand an Ihre Augenhornhäute legt und Ihr Hirn vollständig ausfällt.

Bei der Gelegenheit plaudern wir dann auch darüber, warum Sie vermutlich wenig davon gehört haben, dass der (angebliche) HirnTOD plötzlich selbst bei Ärzten und Bundesärztekammer nicht mehr HirnTOD in den dortigen Richtlinien heisst………………. Wenn Sie lernen wollen, wie transparent das ist, was dabei gilt, dann suchen Sie doch einfach mal nach den aktuell geltenden Richtlinien zur Hirntoddiagnostik. Ich bin neugierig, wie lange Sie brauchen, wo Sie suchen und was Sie finden. (Gern im Kommentarfeld Ihre Erfahrung dazu).

NB! Nach wie vor gilt bei mir: Ich war und bin nicht gegen Organspende oder Transplantationen, weder grundsätzlich noch sonst. Und es liegt mir fern, das Thema ins Komische oder Lächerliche zu ziehen – au contraire! Gerade weil es ein sehr ernsthaftes und ernst zu nehmendes Thema ist, verdient es Augenmerk. Mehr, als er wirklich erhält und qualifiziert erhält. Auch in den Medien. Sei es in redaktionellen oder unterhaltenden Medien. Letztere allein verdienen manche Kritik, dazu an anderer Stelle en detail.

Denn: Jeder sollte eine Entscheidung nur dann treffen, wenn er weiss, um was genau es dabei geht und wenn er richtig informiert und aufgeklärt ist, was das bedeutet. Bis heute und nach rund 21 Jahren der Befassung mit dem Thema (auch in anwaltlicher Arbeit) sehe ich diese Voraussetzungen weder ausreichend gegeben, noch von denen gewährleistet, die sie im Besonderen bei der Information über das Thema leisten müssten.

Und ich bin auch nach wie vor der Meinung, jeder sollte das ganz höchstpersönlich nur für sich entscheiden, egal in welcher Richtung. Und für sich behalten, ob er und wie er sich entschieden hat oder auch nicht. Nicht nur weil er seine Meinung vielleicht im Laufe der Zeit ändert, in welche Richtung auch immer und aus welchen Gründen auch immer. Und entscheidend sollte erst und nur das sein, was Sie denken und entschieden haben dann, wenn es darauf ankommt.

Es ist wie beim Testament in Erbsachen auch: Der letzte und dokumentierte Wille allein sollte entscheiden!

Sollte jemand jemals  selbst medizinisch in eine Situation kommen, in der er als Organspender medizinisch in Frage käme, ist es früh genug, dass diejenigen erfahren, die es etwas angehen darf (und nur die), ob und wie Sie  zu dem Thema dann denken, wenn es entscheidungserheblich wird.

Und erst dann. Entweder haben Sie dann einen Ausweis bei sich. Oder eben nicht. Wenn nicht, ist Ihr Wille daran unmissverständlich auch deutlich. Und kein Angehöriger sollte dann – auf Fragen oder Drängen von Mitarbeitern, die um Ihre Zustimmung zur Organspende bitten

„Aber Ihr Angehöriger hätte doch sicher trotzdem gern anderen immer geholfen und helfen wollen, wenn er schon nicht mehr gerettet werden kann und eh tot ist…oder?“

– aus einem nicht vorhandenem Ausweis etwas uminterpretieren. Wer keinen Ausweis hatte, hat sich jedenfalls nicht dafür entschieden, spenden zu wollen. Punkt. DAS allein ist dann das, was man als Angehöriger aus dem Fehlen eines Ausweises über den Willen interpretieren und dazu (auf Befragen) sagen kann.

Wenn Sie gefunden haben, wie der sogenannte Hirn“TOD“ jetzt auch namentlich heisst und wo das steht und wie er definiert wird und auch diagnostiziert, dann lassen Sie es mich – gern in den Kommentaren – wissen. Ich weiss es natürlich, aber vielleicht zeigen Ihre Antworten prägnanter, wie gut oder nicht gut genug der Informationsstand bei Laien und sogar bei Juristen sein mag, die das Rechtliche wissen müssten, wenn Sie als Laien danach fragen.

Und wenn Sie es nicht beantworten können, nun………….dann fragen Sie in Zukunft vielleicht einfach Ihren Zahnarzt. Und (nicht nur) Ihren Apotheker. Bei diesem lagen ja schon und oft nicht mal erst seit 1997 und seit am 1.12.1997 das TPG in Kraft trat,  die Ausweise und Broschüren der BzGA am Ladentisch.

Oder Sie lesen bei mir wieder herein. Dann erfahren Sie es auch.

 

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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Eine Antwort zu „Lieber Zahnarzt, erzähl mir doch mal was, wie der Hirntod geht…..!“

  1. Liz Collet schreibt:

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