Wer 16 Monate unentschuldigt fehlt, kann auch endlich entbeamtet werden (oder?)

Verteidigungsstratege © Liz Collet

Verteidigungsstratege © Liz Collet

Mancher Beamte muss rund 40 Jahre Dienst leisten, bis er 71-jährig aus dem Beamtenverhältnis ausscheidet.

Einem widerfährt dies am 8. April 2016 und er hat ihn sich zweifellos wohlverdient, den Ruhestand, und ist gleichwohl (für mich jedenfalls) unersetzlich: Gerd Heymann aka Michael Ande ist der letzte der Mordkommission aus der Serie „Der Alte“, der dann gehen wird. Und dem man – wehe, wenn nicht! – einen hoffentlich angemessenen, zur ruhigen und leisen und besonnenen Rolle passenden Abschied in die Pension ins Drehbuch schreiben wird.

Mit ihm geht der letzte der allerersten Stunde der Mordkommission des „Alten“. Und wenn er auch schon Jahrzehnte zuvor selbst nicht nur sang, sondern Rollen spielte,  am Theater, aber auch in  den „Trapp-Filmen“, als Peter Pan und Jim Hawkins der Schatzinsel und als Synchronstimme  in manchen Verfilmungen anderen die Stimme lieh, bevor er in Freitagabend-Krimis half, andere zum Singen zu bringen, wird es wohl doch der Gerd Heymann sein, den die meisten mit ihm und Rollen verbinden. Welch Talent zum Kammerspiel er hat und im Fernsehen leider so gar nicht zeigen konnte, wo Sendezeiten dafür nicht geboten werden, konnte man in der 500. Jubiläumsfolge der SOKO 5113 „Das Alibi“erleben, in welcher er brillierte mit einer leisen Eindringlichkeit der Rolle, welche die übrigen in den Hintergrund, um nicht zu sagen: an die Wand spielte.

Nun endet seine Zeit als Kriminalkommissar am 8. April 2016. Nachdem manche freiwillig (unvergessen die 100. Folge mit Siegfried Lowitz und die Schlußszene mit Michael Ande) den Serientod starben, andere  freiwillig den Abschied in die Pension nahmen und wieder andere eher unfreiwillig  und sang- und klanglos und in einem kritikwürdigem Stil im Umgang mit Erkrankung von Schauspielern aus der Serie ausgemustert wurden.

Er wird fehlen. Unübersehbar.

Und was meinen Teil angeht – endet damit der letzte Grund, die Serie noch weiter zu sehen, die längst viel verloren hat bei Drehbuch und Rollen und dies mit den jüngeren und neuen Besetzungen nicht wettzumachen vermag.

Mancher Wechsel gelingt nicht. Manches Fehlen ist zu unübersehbar.

Wieviele Monate aber kann oder muss ein Beamter unentschuldigt fehlen und damit zu erkennen geben, dass er sich (innerlich wie äusserlich) selbst vom Beamtenverhältnis zu seinem Dienstherrn und seinen Dienst- und Beamtenpflichten distanziert hat, damit und bevor man die Entfernung aus dem Beamtenverhältnis auch statusrechtlich entfernen kann?
Welche Faktoren müssen da noch hinzukommen, die auch unter Beachtung von Fürsorgepflichten, eine Entfernung aus dem Beamtenverhältnis rechtfertigen?

„I mog halt heit amoi ned….“

ist einer der Sätze, mit denen das Drama seinen Anfang und seinen Lauf nehmen kann, wenn einer erst einen, dann mehrere Tage nicht mehr erscheint. Man kann sich ans Nichtstun, an Pelzeritis, wie der Münchner sagt, auch mit einiger Mühe gewöhnen. Dann mag dem einen oder anderen der Anlauf zu gross werden, wieder zur Arbeit zu finden.
Aber Scherz beiseite – für unentschuldigtes Fernbleiben vom Dienst kann es Gründe geben.

Im Allgemeinen fällt es ja auch auf, wenn Mitarbeiter an einem Arbeitsplatz nicht erscheinen. Nicht erst, wenn Krankmeldungen ausbleiben. Kollegen oder Vorgesetzte fragen oder haken da üblicherweise schon mal nach, weil sie die etwas altmodische Auffassung vertreten, dass der Mensch im Allgemeinen und auch als Beamter für sein Einkommen etwas tun sollte, so er nicht arbeits- bzw. dienstunfähig erkrankt oder tot darniederliege. Ersteres ist verzeihlicher als letzteres, weil im zweiten Fall die Dienstbezüge womöglich noch über den Zeitraum der Berechtigung von Bezügen hinaus auf das Konto gezahlt werden: Was dazu führt, dass nachher die Bürokratie losgeht, diese Überzahlungen von etwaigen Erben zurückzufordern und die Rechnerei von Rückforderung der Dienstbezüge und Zahlung der Witwenpension stattdessen…

Schon damit derlei nicht zu befürchten steht, empfiehlt sich, länger unentschuldigt abwesende Beamte doch mal anzurufen, Kollegen mit Obst für den mutmasslich Erkrankten vorbeizuschicken oder auch mal anzuschreiben, ob man ihm nicht Beine mit der Krankmeldung machen, pardon: mit irgendeiner Hilfe wieder auf die Beine helfen könnte…. Hühnersuppe…?

Kann natürlich sein, dass alles das versucht und niemand angetroffen oder erreicht wird und selbiger auch nicht auf Post reagiert. Vielleicht hat er im Lotto gewonnen und weilt auf einer Luxusyacht in der Südsee und ist klug genug, das nicht auf facebook zu posten.

Wer weiss…..vielleicht aber geht er auch einfach lieber unter den blühenden und grünenden und Kastanien abwerfenden Kastanienbäumen dies- oder jenseits der Isar oder im Englischen Garten spazieren?

Manchmal ereilt aber auch das Schicksal einen eigentlich höchst einsatzwilligen Polizeibeamten, der sich mit Hingabe der Klärung „italienischer Angelegenheiten“ widmet – und hinterrücks von seiner Gattin dienstuntauglich gemeuchelt wird. Trickreich mit den Waffen einer Frau und der Waffe eines Gutachters, der richtig bei Tisch und beim Tafeln mit feinen Speisen und geeigneten Informationen gefüttert das Gutachten kritzeln wird, welches den Beamten völlig wider seinen Diensteifer aus dem Dienst katapultiert. Weil Vorgesetzte es nicht lieben, wenn womöglich bekannt werdende Dienstuntauglichkeit Wiederaufnahmegründe verurteilter Delinquenten für diese und ihre findigen Strafverteidiger liefern würde. Ein hübscher Vorwand. Und ein tauglicher Grund für Dienstuntauglichkeit und Entfernung aus dem Dienst in den Pensionsstatus.

Wir wissen nicht, was der Grund im folgenden Fall ist, die den Beamten am weiteren Erscheinen am Arbeitsplatz über 16 Monate hinderte.Noch nicht, vielleicht erhellt die anstehende Verhandlung am Verwaltungsgericht München die Wissenslücke.

Es wird einen dieser oder vielleicht anderer der unzähligen möglichen Gründe geben, wie es kommen kann, dass ein Urkundsbeamter beim Sozialgericht München 16 Monate lang unentschuldigt beim Dienst fehlen kann, bevor er aus dem Beamtenverhältnis entfernt werden soll. Förmlich. Körperlich ist er in selbigem ja eh nicht mehr präsent.

Den Fall verhandelt das VG München am 12.02.2016, 09:15 Uhr, Saal 7 in der Bayerstrasse 30 in München.

Wir sind gespannt auf die Lösung. Und Antworten auf offene Fragen.

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter 1 abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s