Totenschein: Tod nach Sturz ist grundsätzlich unnatürliche Todesart

Letzter Gruss © Liz Collet

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Rund 2000 Tötungsdelikte per anno bleiben nach Schätzungen von Experten unentdeckt, manche gehen von einer noch höheren Dunkelziffer aus.

Banale Beispiele des Alltags können auch Haushaltsunfälle sein. Der Frühjahrsputz und die anmutig verlockende Hoffnung, eine schon länger gehegte Trennungsabsicht nicht auf familienrechtliche, sondern erbrechtliche Weise in die Realität umzusetzen und in einer saisonal ohnehin erhöhten Unfallzahl der Statistiken von Haushaltsunfällen ein- und darin untergehen und verschwinden lassen zu können, muss dabei nicht die alleine Möglichkeit sein.

Denn auch ohne Mitwirkung oder Verursachung durch Dritte bietet der harmlos erscheinende Fensterputz mit einem Sturz von der Leiter und innerlichem Verbluten beispielsweise an einer Milzruptur einiges Potential an Fehlern beim Totenschein und seiner Bedeutung und Rechtsfolgen.
So eindeutig ein Todesfall durch einen solchen Sturz scheinen mag und den Arzt verführen möchte, diesen als „natürlich“ zu bescheinigen –  es ist auch hierbei unverzichtbar, hier die Todesart als „nicht-natürlich“ anzugeben und die Polizei einzuschalten.

Bei geriartrischen Patienten sind Stürze nicht selten durch Faktoren wie Demenz, Mangelernährung, neurologische oder kardiale Erkrankungen ausgelöst. Die Bestattungsgesetze der Bundesländer regeln (zB Art 2 BayBestG) , dass auf dem Totenschein neben der Todesursache – dem unmittelbar zum Tode führenden Ereignis – auch die Todesart angeben werden muss.

Hier ist zu unterscheiden

  • zwischen „natürlich“ im Falle des Versterbens aus innerer, krankhafter Ursache, die vorliegen kann bei Krebs, Herzinfarkt oder Lungenentzündung beispielsweise.
  • Und „nicht-natürlich“ durch äußere Faktoren wie Unfall oder Fremdverschulden.

Dennoch herrscht bei Ärzten oftmals eine Hemmschwelle,  „nicht-natürlich“ im Totenschein anzukreuzen, weil dies unverzichtbar die Einschaltung der Polizei bedeutet. Sowohl bei Patienten, die zuhause nach einem Sturz aufgefunden werden und deren Angehörigen Ärzte aus unterschiedlichen Gründen glauben, dies ersparen zu wollen oder müssen, als auch bei Kliniken mit vielen geriatrischen Patienten, die den Aufwand und Umstände fürchten.

Unzutreffende Angaben im Totenschein anstelle eines Sturzes hätten indessen weitreichende Folgen. Wer etwa anstelle eines Sturzes (mit der Folge unnatürlicher Todesart) Herzversagen (mit der blossen Folge des Falles von der Leiter und als natürliche Ursache) ankreuzt, verhindert damit nicht nur die gesetzlich vorgeschriebene Einschaltung der Polizei und handelt in zudem auch strafrechtlich relevanter Weise (Urkundendelikte) , sondern verhindert unter Umständen auch, dass Angehörigen Ansprüche aus einer etwaigen Unfallversicherung geleistet werden.  

Darüberhinaus ist gerade auch bei Stürzen ein Fremdverschulden durch Ermittlungen der Polizei zu klären und ggf. auszuschliessen und nicht durch den Arzt.  

Über Liz Collet

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