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Good Morning, Good Morning © Liz Collet

Good Morning, Good Morning © Liz Collet

1.

Den Polizeifunk abzuhören, ist verboten. Das hat gute Gründe, die man eigentlich nicht erklären muss. Wer etwa gerade Opfer eines Überfalles ist, wird nicht so hübsch finden, wenn die Täter via Polizeifunk oder Smartphone und FB-Posts erfahren, dass man bereits und in welcher Einsatzstärke usw. anrückt.

Die Bürgernähe von Polizei und deren Pressestellen via social media scheint indessen manchen zur Annahme zu verleiten, dass selbige nun das liefern müsse, was der Polizeifunk nicht jedem verraten würde. Die Polizei München hat  nun in einem charmant-ironischem Beitrag denen Contra gegeben, die hinter nicht laufend live berichteten sämtlichen Informationen Verschwörungstheorien und Informationszensur und Geheimniskrämerei wähnen. Für alle, die scheinbar meinen, Facebook, Twitter & Co wären der Ersatz für den Polizeifunk, den Bürger aus guten Gründen eigentlich nicht abhören dürfen und dafür da, sie durch Liveberichte zu unterhalten, weil TV -Programme nicht mehr sensationell genug sind.

Letzter Gruss © Liz Collet

Letzter Gruss © Liz Collet

2.

Wie oft kümmern Sie sich um die Grabpflege von Grabstellen Angehöriger, für die Sie zuständig sind oder die Sie allein oder gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern in Absprache mit diesen übernommen haben? Die Frage kommt nicht von ungefähr – warum, dazu gleich mehr.

Während die einen ihren digitalen Nachlass wochenlang zu regeln versuchen und an Hürden, ihre digitalen Spuren im Fall der Fälle automatisch oder durch Angehörige dann löschen zu lassen, scheitern, ist anderen eine digitale Unsterblichkeit wichtig. So manchem scheint es wichtig und  nötig und ist als Bedürfnis legitim, virtuelle Trauerräume zu schaffen oder nutzen. Andere sehen Notwendigkeiten,  QR-Codes an Grabsteinen zu platzieren. Doch gibt es dessenungeachtet nach wie vor Grabstellen, -kreuze und -steine, die besucht werden.

Als Kind war es in unserer Familie für mich gang und gäbe, dass die Grabstelle meines Grossvaters im Münchner Westfriedhof nicht nur von meiner Grossmutter regelmässig versorgt wurde, sondern oft genug allsamstäglich der Weg mit meinen Eltern zum Beispiel zum Wochenend-Shoppen im Olympia-Einkaufszentrum mit einem vorherigen morgendlichem Umweg über den Friedhof verbunden wurde – sei es für Pflanzen, die ersetzt wurden, sei es zum regelmässigen Giessen oder Entfernen von Laub. Grabnachbarschaften wurden dabei selbstverständlich mit versorgt, wenn meine Grossmutter etwa die Witwe am nächsten oder nahegelegenem Grab kannte und wusste, dass diese erkrankt oder im Krankenhaus weilte und die dortigen Grabpflanzen dürsteten. Im Laufe der Jahre liess meine Grossmutter die Beetbepflanzung und steinerne Einfassung und den stehenden Stein durch eine Grabplatte ersetzen, so dass die Pflege von Pflanzen entfiel und durch hübsch bepflanzte Schalen auf der Grabplatte ersetzt wurden, die einen Pflegeturnus in grösseren Abständen genügen liessen – auch Witwen und deren Kinder werden nicht jünger, gesünder mit den Jahren und auch die dann einspringenden Enkel wohnen berufsbedingt nicht immer und dauerhaft genug am selben Wohnort und können dann nur noch alle paar Wochen diese Sorge übernehmen. Neben diesen regelmässigen Pflegearbeiten für Pflanzen am Grab, die mancher auch Friedhofsgärtnereien gegen entsprechende Preise überträgt, der es nicht mehr selbst kann, ergeben sich aber auch weitere mögliche Pflichten derjenigen, welche die Grabpflege übernommen haben, etwa dann, wenn Grabstätten nicht (mehr) den Sicherheitsbestimmungen entsprechen,

Eine etwas befremdliche und nicht nur datenschutz- und verwaltungsrechtlich kritikwürdige Form des Umgangs mit Grabstelleninhabern pflegt die Friedhofsverwaltung in Rostock-Gartenstadt, welche die Namen der Angehörigen auf eine Schwarze Liste und diese in den öffentlichen Aushang am Friedhof setzte.

Die Methode ist nicht nur datenschutzrechtlich diskussionswürdig, sondern auch in der Geeignetheit der gewählten Mittel wenig geeignet – dann nämlich, wenn Sie nicht wöchentlich oder monatlich weniger pflegebedürftige und nicht bepflanzte Grabstellen aufsuchen und schon deswegen den Aushang von Bekanntmachungen am Friedhof nicht lesen wie Ihre Tages- oder Wochenzeitung. In Rostock könnte es zudem passieren, dass Sie bei einer längeren Abwesenheit von 6 Monaten gar kein Grab mehr vorfinden. Warum, das erzählt DIESER Beitrag und auch, dass es mit wenig Nachdenken und Mühe und praktischen wie praktikablen anstatt prangerhaften Methoden sehr wohl und sogar auf weit grösseren Friedhöfen als Rostock anders und besser geht. In Hamburg etwa. Und sogar datenschutzrechtlich unbedenklich.

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Well Accompanied© Liz Collet

3.

Eine Frau,  ein Gartenschlauch, ein Sturz, eine Hüftoperation und was das für eine Wende für das Leben von älteren Patienten bedeuten kann, ist der Aufhänger eines Beitrags der ZEIT, die unter dem Titel „Demenz: OP gelungen, Patient verwirrt“ ein Problem anspricht, das gegenwärtig wie künftig vermehrt praktische Bedeutung entfalten wird: „Delir“.

So der Terminus, mit dem Experten den Zustand starker Verwirrung nach einer Operation bezeichnen und der bei Patienten neben dem Verlust des Zweitgefühls auch Desorientierung auslöst, sie streitbar und dann wieder ruhig und „normal“ erscheinen lässt. Wahnvorstellungen wechseln sich mit klaren Phasen ab.
Das Problem: Delir ist nicht behandelbar, auch nicht medikamentös. Allenfalls eine geeignete Vorsorge hingegen kann ein Delir verhindern. Dafür jedoch brauchen Ärzte einen anderen Blick auf ihre Patienten und Kliniken neue Behandlungskonzepte. Mehr dazu hier.

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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