Möchten SIE nach Unfall schwerverletzt im Auto ohne Hilfe und allenfalls Handyfoto-Opfer sein?

Kursrichtung , Orientierung, Kompass, Intuition © Liz Collet

Kompass © Liz Collet

Die Chance, dass Ihnen jemand zu Hilfe kommt, wenn Sie ersichtlich verletzt und blutend in einem bereits leicht qualmendem Auto zu sehen sind, das gegen einen Baum gefahren scheint, liegt nach einem Test bei 1:10 selbst dann, wenn dies an einer von Fussgängern und Autofahrern frequentierten Strasse geschieht.

Die Chance, dass Menschen dann ihr Handy nicht zücken, das sie oft genug eh schon in der Hand haben, um Hilfe zu rufen, sondern allenfalls ein Foto machen, das man click & like -heischend in social media posten kann, ist ungleich höher. Das ist das Fazit dieses Videobeitrages.

Achtsamkeit auf das, was um sie herum geschieht und Bereitschaft, sich nicht – auf Sehen und Weitergehen angesprochen – mit fadenscheinigen Ausreden herauszuwinden, sondern

  • im Zweifel an ein Fahrzeug heranzutreten,
  • den Verletzten anzusprechen, ob er Hilfe braucht,
  • festzustellen, ob er überhaupt bei Bewusstsein ist,
  • einen Notruf abzusetzen, ihm herauszuhelfen
  • oder wenn man selbst nicht sicher ist, ob man ihn bewegen darf auch andere Passanten oder den Gesprächspartner am anderen Ende des Notrufs zu fragen,
  • andere Passanten heranzurufen und um Mithilfe zu bitten,
  • ein Unfallopfer aus einem qualmendem Fahrzeug im Zweifel erst mal herauszuholen,

schwindet.

Sätze wie „Da sass ja einer drin, der wird sich schon um das rauchende Fahrzeug kümmern“, wenn eben jener Mensch im Auto unverkennbar blutend und verletzt aussieht, sind hohnsprechende soziale Gleichgültigkeit, die im Ernstfall Leben kosten kann und dann nicht ohne Grund auch strafrechtliche Konsequenzen haben müsste.

Mein erstes Handy habe ich mir vor exakt 20 Jahren zugelegt, als ich auf dem Weg zwischen Schwabinger Kanzlei und Grundschule meines Sohnes an der Wolfratshauser Strasse in Pullach nicht mehr weit von der dortigen Schule entfernt einem Unfall nur knapp entging, als ein Lkw unvorhersehbar von rechts aus einer Seitenstrasse auf die Hauptstrasse gebrettert kam und dort nur abrupt stehenblieb, weil er nicht mein Fahrzeug, sondern meinen Gegenverkehr kommen sah. Ich hatte gerade noch rechtzeitig durch Vollbremsung eine Kollision mit ihm verhindert, zwischen meinem Pkw und dem Teil des Lasters, unter den ich anderenfalls geraten wäre, waren keine 2 cm Platz mehr geblieben. Die Vorstellung, dass niemand in der Schule wüsste, warum ich meinen Knirps nicht abholen käme, dass ich – selbst un- oder nur leicht verletzt – niemanden verständigen könnte, um Hilfe wegen des Unfalls zu rufen, für Abholung meines Kindes zu sorgen, liessen mich am selben Tag und nachdem ich meinen Sohn abgeholt hatte ein Handy kaufen. Dafür und nicht zum Filmen oder Fotografieren, erst recht nicht beim Autofahren oder bei etwaiger Not anderer. Und während der Autofahrt ist es für mich zum Telefonieren oder für andere Funktionen als Fahrerin tabu.

Heute haben noch mehr Menschen, als seinerzeit ihr Mobile nicht nur bei sich, sondern schier an der Hand angewachsen, das Hirn aber scheint gleichzeitig von Impulsen und situationsbedingten Impulsen zunehmend abgeschnitten zu sein. Während die Nutzer – ohne noch den Hauch jenes Zynismus zu erfassen und zu begreifen, der darin liegt – 24/7 social medial unterwegs sind.

Im Zweifel zu fragen und zu helfen, anstatt im Zweifel hinzusehen, wegzusehen, weiterzugehen, wäre das, was jeder selbstverständlich erwartet, wenn selbst 10 Minuten als Verletzter, als schwer Verletzter erst recht wie Ewigkeiten Hoffnungslosigkeit an Hilflosigkeit knüpfen und gar zu Aussichtslosigkeit später erst durch andere vielleicht noch erfolgende und eintretende Hilfe werden.

Wie lange würden Sie selbst in einer solchen Lage hilflos bleiben wollen oder Ihren Sohn, Ihre Tochter oder einen anderen Angehörigen in solcher Lage wissen wollen, ohne dass ihm Dritte zu Hilfe kommen?

Oder Hoffnung und Hilfe geben, indem sie herantreten, ihn ansprechen, während sie ihr Handy gleichzeitig ebenso wie die eigenen Hände einsetzen, um Hilfe zu leisten, soweit möglich – allein oder mit anderen gemeinsam?

Nur jeder 10. hat in diesem Test der Johanniter-Hilfe mehr getan, als hinzusehen, zu gaffen, weiterzugehen oder weiter zu fahren, obwohl die Situation gesehen und erkannt wurde. Erst nach 10 Minuten half der erste………….

Wie ungeduldig SIE selbst bereits unverletzt und in angenehmer Situation werden, realisieren die meisten schon nicht mehr bewusst, denen es zu lange dauert, mehr als 140-Zeichen-Posts oder mehr als nur die Headlines eines Links bei FB zu lesen, gar einen Zeitungsartikel vollständig zu lesen. Erst recht bevor sie den Link liken oder teilen und kommentieren. Schlagzeile genügt, um eine Meinung abzugeben oder zu liken. Ob und was in dem Artikel vielleicht sogar nicht selten anderes, jedenfalls aber mehr steht – who cares?

Who cares….wenn für SIE 10 Minuten lang werden?

Wie ungeduldig SIE und wie zunehmend hoffnungslos SIE dann in Ihrer Lage sein können, vermittelt nicht das Video allein, vermittelt nicht, mal 10 Minuten stillzusitzen und diese abzuwarten, ohne etwas zu tun. Nicht, wenn Sie unverletzt dies lesend am Schreibtisch oder in der Bahn 10 Minuten noch immer nicht in der gleichen Situation sind. Aber versuchen Sie es einmal, nach dem Lesen dieses Beitrages: Sehen Sie auf die Uhr und warten Sie 10 Minuten lang nur ab……….ohne irgendetwas tun zu können oder dürfen – nichts, absolut nichts.

Ich bezweifle, dass Sie die 10 Minuten durchhalten. Weil bereits diese Untätigkeit für Sie zu lange dauernd fast schon körperlich spürbar unangenehm wird. Ohne wirklich verletzt zu sein.
Den Rest……………….denken und spüren Sie dann ja vielleicht selbst weiter. Wenn Sie sich selbst oder einen nahe stehenden Menschen eine solche Zeit schwerverletzt und hilflos vorstellen.

Btw: Der Videobeitrag dauert knapp 6 Minuten. Haben Sie ihn bis zum Ende angesehen oder bereits nach einem Teil des Beitrags abgeschaltet, weil Sie die Botschaft bereits vorher verstanden zu haben, genug gesehen zu haben glaubten? Sie wären überrascht, wieviele den Beitrag spätestens bei Beginn des Studiogesprächs abschalten…….. nach 3 Minuten! Und das bei einem „unterhaltsamen“ Beitrag, nicht während sie allein und hilflos und zur Untätigkeit verpflichet auch 10 Minuten warten müssten………….

Gute Fahrt und guten Start in die Woche !

 

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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