Die lange Nacht des Strafrechts – Aus Anlass des 85. Geburtstages von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin

Save the date © Liz Collet

Save the date © Liz Collet

Am kommenden (Pfingst-) Sonntag feiert Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin seinen 85. Geburtstag.

Er ist einer der bedeutendsten deutschen Strafrechtslehrer, der national und international höchstes Ansehen erworben hat und unter anderem auch Autor einer Reihe fundierter und zugleich leicht verständlicher Studienbücher zum Strafrecht und zum Strafverfahrensrecht, unter anderem aus den Beck´schen Reihen „Juristische Kurz-Lehrbücher“, „Prüfe dein Wissen“, „JuS-Entscheidungen“ und „Große Grüne Lehrbücher“.

Sie haben nicht wenigen Juristen den Einstieg in die komplexe Materie des Strafrechts erleichtert.

Während meines eigenen Studiums begleitete mich eines seiner Bücher nach dem 2. Semester in den Sommerferien sogar in die Mittagspause einer der Filialen jener Münchner Bäckerei und ehemals königlich bayerischen Hoflieferanten, in welcher ich mir das Geld erarbeitete, um mir mein Studium zu finanzieren.

Sie lag in der Ladenstrasse der Borstei, einem sehr schönen und traditionsreichem Wohnkomplex, in welchem aber die Geschäfte der Ladenzeile während der Mittagspause geschlossen hatten. Ich führte den Laden – wie sonst andere Filialen auch – während der Semesterferien im Sommer eigenständig und in Doppelschichten ganztags allein, gute Gelegenheit, um für das Semster in Regensburg wieder Rücklagen anzusparen, in dem ich nur an Wochenenden in München arbeiten konnte und dafür wochenends pendelte.

Daher blieb ich in der Mittagspause dort und nutzte die Zeit lieber, um zu lernen, als auf dem Rad nach Hause zu fahren und wieder in den Laden zurück in den beiden Stunden, in den der Laden mittags geschlossen war. Entweder im Raum hinter dem Laden, der einer grösseren Küche der anderen Wohnungen der Borstei nicht unähnlich war. Oder auf den Stufen der Treppe, die von dort durch eine „Küchentüre“ zum Hof und in die dahinterliegenden Gärten der Borstei führte und manchmal auch dort zwischen den Rosen- und Fliederbüschen unter den hohen alten Bäumen.Wer von 5 Uhr morgens bis 18 Uhr als Bäckerlizl werkelt, muss sehen, wo er die Zeit hernimmt, die anderen in Semesterferien für Klausuren und Hausarbeiten Zeit haben und für die ihm sonst nur noch der Abend bleibt nach einem 12- 13 Stunden -Tag.

Der allgemeine Teil des Strafrechts, die Differenzierung von Täter und Teilnehmer, Täterschaft, mittelbarer Täterschaft und Täter hinter dem Täter sind nur einige der Dinge des Strafrechts, die ich aus den Veröffentlichungen von Professor Roxin in diesen Pausen zwischen dem Verkauf von Brot und Gebäck und zwischen Rosenduft regelrecht „inhalierte“ und dank seiner leicht lesbaren wie leicht verständlichen Form der Lehre in keiner Prüfung je wieder vergessen hätte. Und die für die Arbeit später als Anwältin nur einer von vielen, aber einer der unverrückbar „sitzenden“ Lehr- und Wissensbausteine wurde und blieb. Und mir einige gute Klausurergebnisse während der Studienzeit und für das Prädikatsexamen einbrachte. 

In einem der Lehrbücher, das mich in diesen Mittagspausen begleitete und noch immer im Regal steht, liegen – getrocknet, gepresst und irgendwann später dann einmal zum Lesezeichen auf geschöpftes Papier verarbeitet – jahrelang nicht mehr aufgeschlagen und erst jetzt schmunzelnd wiederentdeckt, noch zwei dieser Rosenblüten und -blätter, die ich mir während dieser „Strafrechts-Mittagspausen“ in der Borstei und deren Gärten gepflückt und als Einmerker ins Lehrbuch  gelegt hatte. Zufällig ……..darin geblieben, nach einer eben einer Reihe solcher, mit juristischen Lehrkapiteln gefüllter Mittagspausen. Mit Blick zurück auf das, was man, wie man, durch wessen Arbeit und gedruckte Werke man sein eigenes „Handwerk“, die Grundlagen der eigenen beruflichen Tätigkeit  und die Instrumente dazu lernte …….in mehr als einer Sicht Lesezeichen, Zeichen geschöpften und nicht mehr zu nehmenden Wissens…..

Zu Ehren von Herrn Professor Roxin findet am 24. Mai 2016 in München „Die lange Nacht des Strafrechts“ statt.

 Anlässlich und zu Ehren des 85. Geburtstages von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin veranstaltet das Institut für Anwaltsrecht an der LMU gemeinsam mit seinem Förderverein am Dienstag, den 24. Mai 2016 die lange Nacht des Strafrechts.

Programm:

Einlass ab 18:30

19.00: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bernd Schünemann:
Claus Roxins Einfluss auf die Entwicklung des Strafrechts in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts

19.45: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin:
Die Dogmatik der frühen Jahre – Gedanken und Erinnerungen –

20.30: Imbiss mit Getränken und Gesprächen

21.15: Nikolai Wassiljewitsch Gogol: Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen,
in Szene gesetzt von Dieter Kettenbach mit Anna Khubashvili am Cello

22.30: Podiums- und Publikumsdiskussion:
Der Wahnsinn des Verbrechers und die Normalität des Strafrechts – oder umgekehrt?

Ende offen, nicht vor 1 Uhr nachts

Ort: die Räume des Instituts in der Dachauerstr. 44 I. Stock, München
Unkostenbeitrag:
50 € (einschl. Teilnahmebestätigung gem. § 15 FAO)
20 € für Mitglieder des Fördervereins

Wegen der beschränkten Platzzahl wird um rechtzeitige verbindliche Anmeldung unter kanzlei@rahomuth.de gebeten.

Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
Dieser Beitrag wurde unter 1, Personen und Ämter, Strafrecht und OWiRecht abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s