Falsche Frage kann fuchsen

Eine der grundlegenden Regeln, die man als Anwalt lernt ist:
„Stelle niemals irgendeinem Zeugen (oder Sachverständigen) eine Frage,
deren Antwort Du nicht kennst. Es wäre die EINE Frage zuviel, die Du stellst.“
Die beiden Landtagsabgeordneten der Grünen kannten diese Regel entweder nicht. Oder sie müssen noch lernen, die richtigen Fragen zu stellen. Kann sein, dass sie nicht fantasiebegabt genug für die möglichen Antworten waren. Kann auch sein, dass manche Frage dann gar nicht beantwortet hätte werden müssen. Wenn sie z.B. nicht nur gefragt hätten, ob Christian Wulff zu Geerkens oder dem damaligen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold geschäftliche Beziehungen unterhalten habe, sondern auch die Frage erstreckt hätten auf mögliche geschäftliche Beziehungen zur Ehefrau Geerkens oder überhaupt dessen Familie. „Versuch macht kluch“ und „Fragen darf man alles – man bekommt dann vielleicht nur nicht auf alles auch Antworten.“ Aber Antworten, die man auf manche Fragen oder Teile von Fragen nicht bekommen hätte oder bekommt, haben manchmal ja einen ganz eigenen Aussagegehalt. Medial. Nach Öffentlichkeits-Blickwinkel-Maßstäben, sozusagen.
So hingegen kann man die ausgefuchsten Antworten seinerzeit 2010, die Christian Wulff gab, spitzfindig ansehen, sachlich haben sie die gestellten Fragen wohl – auch rechtlich – korrekt beantwortet, sofern Edith Geerkens nicht ihrerseits mit den betreffenden Gesellschaften rechtlich, wirtschaftlich, funktionell befasst war.  Gschmäckle hin oder her, was manchem jetzt nicht daran schmecken mag, den es nun fuchst, dass er Wolff die falschen Fragen stellte.
Oder eben…… mal die eine zu wenig.
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Über Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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10 Antworten zu Falsche Frage kann fuchsen

  1. sic schreibt:

    Aber war es denn wirklich eine falsche Frage? Aus heutiger Sicht der beiden Abgeordneten würde man vielleicht eher sagen, nein, war es eigentlich nicht.

    Denn was wäre damals passiert, wenn die korrekte Frage gestellt worden wäre, und korrekt von Wulff beantwortet worden wäre? Wohl nichts. Man hätte die mutmaßliche Vermischung von privatem und geschäftlichem medial gerügt, ansonsten war ja nichts greifbares vorhanden, natürlich darf auch ein Politiker, selbst ein MP, einen Kredit von einer Privatperson annehmen. Ist nicht sehr clever, Interessenvermengung und so weiter, aber eben auch nicht mehr als ein wenig anrüchig. Das ganze wäre auf Seite 7 irgendwo als Dreizeiler erschienen, zudem hätte Wulff nun offiziell die Umschuldung auf einen Bankkredit als Sofortmaßnahme zur Ausräumung des Beeinflussungsverdachtes verkaufen können.

    Aber aus jetziger Sicht ist die Wirkung um so verherrender. Höhere Position in der Hackordnung, ein Bundespräsident ist medial deutlich sichtbarer, und wird an höheren Maßstäben (vermeintliche Vorbildwirkung) gemessen. Die gezielte Begrenzung der Beantwortung der gestellten Frage exakt auf den Frageinhalt erscheint nun als mögliche Vertuschung, vor allem wenn man die darauf folgende Umschuldung mit einbezieht, die ein schlechtes Gewissen geradezu impliziert. Zudem hats die Nachricht auf die meisten Titelseiten geschafft.

    Doch, die falsche Frage kann manchmal (natürlich immer davon anhängend, was man erreichen will) durchaus die richtige sein. Den Makel bekommt Wulff nun nie mehr los, es ist zwar kein großer oder besonders schlimmer, aber er selbst hat sich die Chance genommen, zeitnah korrektiv einzuwirken, und jetzt wirkt jede Reaktion natürlich hilflos und von einem schlechten Gewissen produziert.

  2. John Miehler schreibt:

    Der Tipp kommt leider zu spät. Ich habe auch mal einen Prozess verloren, weil ich unnötigerweise gefragt habe „Ist das Ihre Unterschrift auf dem Vertrag?“. Plötzlich konnte sich der Zeuge, der behauptet hatte meinen Mandanten nie gesehen zu haben, wieder an alles erinnern.

  3. Alu Box schreibt:

    Der Prozess ist doch an sich schon eine rein retorische Angelegenheit ?

  4. Pingback: The truth, the whole truth, and nothing but the truth | Jus@Publicum

  5. Liz schreibt:

    Prozess?

  6. Pingback: Bellevue, déjà-vu? | Jus@Publicum

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